Medmonitor_logo_print
Über medmonitor > Experteninterview

Experteninterview

"In dieser Form noch nicht dagewesen"

Prof. Dr. Volker Ragosch, Leiter der Frauenklinik der Asklepios Klinik Altona in Hamburg, im Gespräch mit Medmonitor.

Welche Vorteile können potentielle Patienten von der Nutzung von Medmonitor erwarten?

Prof. Dr. Volker Ragosch: Medmonitor bietet viele, bisher in dieser Form noch nicht da gewesene Möglichkeiten, sich über Krankenhausbehandlungen zu informieren. Man kann eine sehr einfache Suche nach einer bestimmten Fachabteilung in der Nähe aber auch bundesweit durchführen. Wichtig und interessant ist jedoch die Suchfunktion nach häufig vorkommenden Diagnosen. Dabei wird in den Krankenhäusern, in denen eine Behandlung für diese Diagnose durchgeführt wird, eine Auflistung der Fallzahlen für diese Diagnose vorgenommen. Patienten, die in diesem Krankenhaus behandelt wurden, können außerdem eine Bewertung des Krankenhausaufenthaltes für diese Diagnosen aber auch allgemein durchführen. Auf diese Weise kann man sich von den Leistungszahlen einer Klinik ein sehr gutes Bild über die tatsächliche Behandlungsqualität machen. Behandlungsergebnisse und Zufriedenheiten von Patienten werden so sehr viel transparenter dargestellt.

Wie unterscheidet sich Medmonitor von anderen Medizinbewertungsportalen?

Prof. Dr. Volker Ragosch: In Medmonitor wird erstmals der Versuch unternommen, für die wichtigsten elektiven – d.h. vor einer Krankenhausbehandlung auswählbaren – Behandlungen bzw. Diagnosen ein Bewertungsportal zu schaffen, welches sehr einfach und verständlich in der Bedienung ist und neben den in den Qualitätsberichten aufgelisteten Zahlen und Fakten eine Empfehlung von Patienten für Patienten liefert. So kann man sich einerseits ein gutes Bild über die objektive Behandlungsqualität, andererseits aber auch über die von anderen Patienten empfundene subjektive Behandlungsqualität machen.

Gibt die Anzahl von Behandlungen einen Überblick über die Qualität der Behandlung?

Prof. Dr. Volker Ragosch: Für einzelne Diagnosen und sehr komplexe Behandlungen kann dies stimmen. Ab einer bestimmten Zahl von Behandlungen oder bei nicht so hochspeziellen Behandlungsformen sind es jedoch häufig andere Kriterien, die für den Behandlungserfolg relevant sind. Hierzu zählt die menschliche Zuwendung, das Gefühl ernst genommen zu werden und in den Behandlungs- und Entscheidungsprozess mit einbezogen zu werden. Dies sind Kriterien, die nur der Patient selber beurteilen kann und die bisher in allen Qualitätsberichten nur ungenügend oder gar nicht zur Darstellung kommen.

Was sagt die Bettenanzahl über die Qualität eines Krankenhauses?

Prof. Dr. Volker Ragosch: Per se erst einmal gar nichts. Es ist nicht immer so, dass viele Betten auch gleichbedeutend mit guter Versorgungsqualität sind. Es stimmt jedoch, dass in großen Abteilungen spezialisierte Leistungen häufig in größerer Zahl durchgeführt werden. Dass die Häufigkeit einer durchgeführten Leistung mit der Ergebnisqualität in Zusammenhang gebracht werden kann, haben einige Untersuchungen gezeigt. Meiner Einschätzung nach ist es jedoch immer eine Frage der persönlichen Erfahrung eines Arztes, d.h. wie häufig ein einzelner Arzt eine bestimmte Leistung durchführt. Dies ist aus den Qualitätsberichten nicht zu entnehmen.

Sind die zur Verfügung stehenden Qualitätsberichte tatsächlich ein Instrument der Qualitätsbewertung?

Prof. Dr. Volker Ragosch: Informationen über die Qualität von Krankenhäusern erhalten Patienten in den so genannten Qualitätsberichten. Jede Klinik ist seit 2005 gesetzlich verpflichtet, in einem zweijährigen Abstand einen Qualitätsbericht zu veröffentlichen. Der Vergleich mehrerer Berichte kann helfen, eine geeignete Klinik zu finden: Angaben über die Qualifikation des Personals, die Anzahl der behandelten Patienten und der durchgeführten Eingriffe sowie das Angebot an Geräten und Therapieformen lassen sich gegenüberstellen. Die am häufigsten durchgeführten Eingriffe werden zum Beispiel in den Qualitätsberichten in einer Top-30-Tabelle aufgeführt – steht eine Behandlung ganz oben, ist das ein gutes Zeichen, denn Operieren ist auch Übungs- und Erfahrungssache. Über Erfolgsquoten von Operationen verraten die Berichte jedoch nichts.

Kann ein medizinischer Laie aus den Qualitätsberichten der Krankenhäuser ohne Probleme einen Nutzen für sich ziehen?

Prof. Dr. Volker Ragosch: Die Qualitätsberichte richten sich an Ärzte sowie Fachpersonal und auch an Patienten. Aufgrund der häufigen Verwendung von Fachbegriffen sind einzelne Passagen und Tabellen für medizinische Laien häufig wenig oder ohne Hintergrundwissen gar nicht verständlich. Die aufgeführten Zahlen und Fakten stimmen oft gar nicht mit dem überein, was der Nutzer eigentlich wissen möchte. So ist aus manchen Berichten die absolute Zahl einer behandelten Diagnose nicht ohne weiteres ersichtlich. Die Verschlüsselung ist heute so komplex geworden, dass manche Ärzte selber nicht genau sagen können, wie viel sie von bestimmten Erkrankungen behandelt haben. Aus diesem Grunde meine ich, dass ein unkommentierter Qualitätsbericht ohne zusätzliche Erfahrungsberichte von Patienten wenig hilfreich ist.

Wie steht es um die Aktualität der Qualitätsberichte?

Prof. Dr. Volker Ragosch: Das Problem ist, dass die gesetzliche Forderung ein Qualitätsbericht ist, der alle zwei Jahre vorgelegt wird. Die z.Z. verfügbaren Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2004. Der nächste Qualitätsbericht erscheint in diesem Jahr und bezieht sich auf Daten aus 2006. In manchen Abteilungen haben in dieser Zeit schon erhebliche strukturelle Veränderungen stattgefunden, so dass nicht immer gewährleistet ist, dass die in den Qualitätsberichten aufgeführten Leistungen überhaupt noch angeboten werden. Hier hilft es auf jeden Fall, sich vor einer Behandlung noch einmal über den aktuellen Stand in der Klinik zu informieren.

Können Patienten Ihrer Meinung nach die Behandlungsqualität beurteilen?

Prof. Dr. Volker Ragosch: Es wird sehr häufig gerade in medizinischen Fachkreisen behauptet, Patienten wären gar nicht in der Lage, ihre Behandlung qualitativ beurteilen zu können. Dem kann nur entgegengehalten werden, dass man auch nicht backen können muss, um die Güte eines Brötchens beurteilen zu können. Wenn von 100 Patienten, die eine künstliche Hüfte bekommen haben, 98 sehr zufrieden bis zufrieden sind, spricht dies sicherlich für eine sehr gute Behandlungsqualität. Wenn dann noch die Freundlichkeit und Zugewandtheit des Personals und die organisatorischen Abläufe für den Patienten stimmig sind, würde ich mich in dieser Klinik auch operieren lassen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Nutzer von MedMonitor?

Prof. Dr. Volker Ragosch: Ein Portal, in dem neben aufgeschlüsselten Qualitätsberichten Bewertungen von Patienten eine zentrale Rolle spielen, setzt eben voraus, dass auch Bewertungen abgegeben werden. Für jeden, der einen Krankenhausaufenthalt hinter sich gebracht hat, ist es deshalb wichtig, eine Bewertung über den Aufenthalt abzugeben. Nur so besteht mittel- bis langfristig für jeden von uns die Möglichkeit, sich ein Bild davon zu machen, wie gut eine Fachabteilung bewertet wird.

Wie kann ich noch detaillierter Informationen über medizinische Fachabteilungen eines Krankenhauses erhalten?

Prof. Dr. Volker Ragosch: Medmonitor bietet in naher Zukunft jeder Klinik die Möglichkeit, sich mit jeder Fachabteilung, besonderen Qualifikationen, besonderer Ausbildung von Fachpersonal oder apparativer Ausstattung vorzustellen. Falls Sie diese Detaildarstellung nicht finden, können Sie über den Link auf die Homepage der Klinik mehr erfahren oder in der Klinik bzw. Fachabteilung direkt anrufen. Hier wird Ihnen sicherlich gerne weitergeholfen.


Zuletzt geändert: 14.05.2007

Ihre Klinik bei Medmonitor

Klinik Icon

Präsentieren Sie sich als Klinik dort, wo Ihre Patienten nach Ihnen suchen: Auf medmonitor.de mit einem erweiterten Klinikprofil.

Mehr

Medmonitor in der Presse

Presse Logos

Lesen Sie in unserem Bereich "Pressestimmen" ausgewählte Artikel über Medmonitor.

Mehr