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Was ist Sucht?

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Was ist Sucht? Jeder gibt sich anders auf

Auf die Frage „Was ist Sucht?“ ist international so oft eine Antwort versucht worden, dass allein die Veröffentlichungen dazu Bibliotheken füllen würden.

Sehr genau ist der Suchtbegriff durch die Psychiater und Psychologen beschrieben worden. Danach ist Sucht stets pathologisch: Eine Sucht-
erkrankung beginnt dort, wo ursprüngliche Lebensperspektiven aufge-
geben werden, die Bedeutung der Droge zunimmt und in unkontrollier-
barer Weise Raum einnimmt.

Kriterien für eine Sucht

Die aktuellen internationalen Diagnosesysteme ICD-10 und DSM-IV enthalten Kriterien, von denen mindestens drei in einem Jahr erfüllt werden müssen:

  • Die Substanz wird häufig in größeren Mengen oder länger als beabsichtigt eingenommen.
  • Es besteht ein starkes Verlangen oder eine Art Zwang, Substanzen oder Alkohol zu konsumieren.
  • Beginn, Beendigung und Menge des Substanzkonsums können nicht mehr selbst gesteuert werden. Deutlich wird das dadurch, dass es einen anhaltenden, aber erfolglosen Wunsch oder Versuche gibt, den Substanzgebrauch zu verringern oder zu kontrollieren.
  • Wenn die Substanz reduziert oder abgesetzt wird, entstehen körperliche Entzugserscheinungen.
  • Der Betroffene verbringt viel Zeit mit Aktivitäten, um sich die Substanz zu beschaffen.
  • Wichtige soziale oder Freizeitaktivitäten werden aufgrund des Substanzgebrauchs aufgegeben.
  • Gesellschaftlich übliche Regeln zum Umgang mit Alkohol oder anderen Substanzen werden außer acht gelassen.
  • Der Substanzgebrauch wird trotz Kenntnis der dadurch verursachten Probleme fortgesetzt.

Die World Health Organisation WHO macht´s kürzer und nennt vier Kriterien für eine Sucht:

  • Unbezwingbares Verlangen zur Einnahme und Beschaffung des Mittels (Craving).
  • Tendenz zur Steigerung der Dosis (Toleranzerhöhung).
  • Psychische und meist auch physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge.
  • Schädlichkeit für den Einzelnen und/oder die Gesellschaft.

Chronische Krankheit

Letztlich ist Sucht eine über mehrere Jahre, oft chronisch verlaufende Krankheit, die wohl keinem Menschen fremd ist; sei es, dass er sie am eigenen Leib verspürt, sei es bei einem Familienmitglied, bei Nachbarn oder Arbeitskollegen. Ob Alkohol (einschließlich Alkopops), Cannabis oder Kokain, ob Amphetamine, die trendigen Natur- bzw. Biodrogen (Stoffe, die vorwiegend aus Pflanzen wie Engelstrompete, Stechapfel, Tollkirsche gewonnen und ohne weitere Verarbeitungsschritte konsumiert werden) oder Medikamente (vor allem Schlaf-, Schmerz-, Beruhigungsmittel und Stimulanzien): Allen Rauschmitteln gemeinsam ist, dass einige bereits beim Gebrauch, alle aber beim Missbrauch die Persönlichkeit nachhaltig verändern – im körperlichen, seelischen und sozialen Bereich.

Entsprechend lässt eine Sucht die Betroffenen selbst und deren Umfeld nicht selten furchtbar leiden. Wie viele Partnerinnen, Partner, Kinder, Mütter, Väter, Brüder, Schwestern, Großeltern oder Freunde von Abhängigkeitsproblemen ihrer Angehörigen betroffen sind, weiß niemand. Die Scham ist groß, keiner soll von den Schwierigkeiten erfahren. Oft wird die Situation unerträglich.

Insbesondere bei der Droge Nummer eins, dem Alkohol, sind selbst mildere Formen der Gewöhnung oder Abhängigkeit mit Problemen verbunden. Abhängigkeit von Alkohol ist ein Phänomen mit sehr unterschiedlicher Schwere und Ausprägung, das erheblich öfter vorkommt als die extreme Erscheinungsform, mit der man in Kliniken konfrontiert ist. So lassen sich auch folgende Zahlen erklären:

  • Jeder zweite deutsche Mann im mittleren Alter hat alkoholbezogene Probleme.1
  • Jeder vierte Mann in Deutschland, der im Alter von 35 bis 65 Jahren stirbt, stirbt an den Folgen des Trinkens.2
  • „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol“ (ICD-10, Diagnoseklasse F10) ist bei Männern der zweithäufigste Behandlungsanlass in Krankenhäusern nach chronischer Herzkrankheit.3
  • Alkohol ist nach Rauchen und Bluthochdruck das dritthöchste Risiko für Krankheit und Tod in Europa.4

Alle Suchterkrankungen – und immer häufiger auch die „nicht stoffge-
bundenen Süchte“ wie Essstörungen oder Spielsucht – sind in allen Industrienationen ein sozialmedizinisches und volkwirtschaftliches Problem ersten Ranges, da sie mit erhöhten Krankheits- und Todesraten einhergehen.

Was sind Drogen?

Hier muss genau differenziert werden, denn viele, die mit Drogen umgehen, argumentieren, dass sie nicht abhängig sind. Drogen sind Stoffe, die das Bewusstsein beeinflussen und je nach Wirkungsweise zu starker psychischer oder/und physischer Abhängigkeit führen können. Drogen werden je nach Wirkung in drei Gruppen gegliedert:

Stimulanzien

sind Stoffe, die anregen, z.B. Amphetamin, Koffein, Kokain, Nikotin.

Hemmer

sind Stoffe, die dämpfen, z.B. Opium, Morphin, Heroin, Benzodiazepine, Alkohol.

Halluzinogene

sind Stoffe, die auf das Bewusstsein wirken, z.B. LSD, Cannabis.

Außerdem werden Drogen unterteilt in

Legale Drogen

das sind Nikotin, Alkohol, zahlreiche Medikamente,

Illegale Drogen

das sind Kokain, Cannabis, Ecstasy, Heroin, Amphetamine, LSD.

Die Begriffe legal und illegal sagen nichts über die Gefährlichkeit der Drogen aus. Durch ständigen Konsum legaler wie illegaler Drogen wird jedes Organ- und Zellsystem geschädigt.

 

____________________

1 DHS, Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren e.V.:
   Alkoholkonsum: Konstant auf hohem Niveau. Pressemitteilung,
   11.01.2006

2 John, U. & Hanke, M. (2002): Alcohol-attributable mortality in a
   high per capia consumption country – Germany, in: Alcohol and
   Alcoholism 37; 581-585)

3 Statistisches Bundesamt, 2003

4 Anderson, P. & Baumberg, B. (2006): Alcohol in Europe. London:
   Institute of Alcohol Studies

 

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Zuletzt geändert: 20.10.2008

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