
Was ist Sucht?
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Auf die Frage „Was ist Sucht?“ ist international so oft eine Antwort versucht worden, dass allein die Veröffentlichungen dazu Bibliotheken füllen würden.
Sehr genau ist der Suchtbegriff durch die Psychiater und Psychologen beschrieben worden. Danach ist Sucht stets pathologisch: Eine Sucht-
erkrankung beginnt dort, wo ursprüngliche Lebensperspektiven aufge-
geben werden, die Bedeutung der Droge zunimmt und in unkontrollier-
barer Weise Raum einnimmt.
Die aktuellen internationalen Diagnosesysteme ICD-10 und DSM-IV enthalten Kriterien, von denen mindestens drei in einem Jahr erfüllt werden müssen:
Die World Health Organisation WHO macht´s kürzer und nennt vier Kriterien für eine Sucht:
Letztlich ist Sucht eine über mehrere Jahre, oft chronisch verlaufende Krankheit, die wohl keinem Menschen fremd ist; sei es, dass er sie am eigenen Leib verspürt, sei es bei einem Familienmitglied, bei Nachbarn oder Arbeitskollegen. Ob Alkohol (einschließlich Alkopops), Cannabis oder Kokain, ob Amphetamine, die trendigen Natur- bzw. Biodrogen (Stoffe, die vorwiegend aus Pflanzen wie Engelstrompete, Stechapfel, Tollkirsche gewonnen und ohne weitere Verarbeitungsschritte konsumiert werden) oder Medikamente (vor allem Schlaf-, Schmerz-, Beruhigungsmittel und Stimulanzien): Allen Rauschmitteln gemeinsam ist, dass einige bereits beim Gebrauch, alle aber beim Missbrauch die Persönlichkeit nachhaltig verändern – im körperlichen, seelischen und sozialen Bereich.
Entsprechend lässt eine Sucht die Betroffenen selbst und deren Umfeld nicht selten furchtbar leiden. Wie viele Partnerinnen, Partner, Kinder, Mütter, Väter, Brüder, Schwestern, Großeltern oder Freunde von Abhängigkeitsproblemen ihrer Angehörigen betroffen sind, weiß niemand. Die Scham ist groß, keiner soll von den Schwierigkeiten erfahren. Oft wird die Situation unerträglich.
Insbesondere bei der Droge Nummer eins, dem Alkohol, sind selbst mildere Formen der Gewöhnung oder Abhängigkeit mit Problemen verbunden. Abhängigkeit von Alkohol ist ein Phänomen mit sehr unterschiedlicher Schwere und Ausprägung, das erheblich öfter vorkommt als die extreme Erscheinungsform, mit der man in Kliniken konfrontiert ist. So lassen sich auch folgende Zahlen erklären:
Alle Suchterkrankungen – und immer häufiger auch die „nicht stoffge-
bundenen Süchte“ wie Essstörungen oder Spielsucht – sind in allen Industrienationen ein sozialmedizinisches und volkwirtschaftliches Problem ersten Ranges, da sie mit erhöhten Krankheits- und Todesraten einhergehen.
Hier muss genau differenziert werden, denn viele, die mit Drogen umgehen, argumentieren, dass sie nicht abhängig sind. Drogen sind Stoffe, die das Bewusstsein beeinflussen und je nach Wirkungsweise zu starker psychischer oder/und physischer Abhängigkeit führen können. Drogen werden je nach Wirkung in drei Gruppen gegliedert:
sind Stoffe, die anregen, z.B. Amphetamin, Koffein, Kokain, Nikotin.
sind Stoffe, die dämpfen, z.B. Opium, Morphin, Heroin, Benzodiazepine, Alkohol.
sind Stoffe, die auf das Bewusstsein wirken, z.B. LSD, Cannabis.
Außerdem werden Drogen unterteilt in
das sind Nikotin, Alkohol, zahlreiche Medikamente,
das sind Kokain, Cannabis, Ecstasy, Heroin, Amphetamine, LSD.
Die Begriffe legal und illegal sagen nichts über die Gefährlichkeit der Drogen aus. Durch ständigen Konsum legaler wie illegaler Drogen wird jedes Organ- und Zellsystem geschädigt.
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1 DHS, Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren e.V.:
Alkoholkonsum: Konstant auf hohem Niveau. Pressemitteilung,
11.01.2006
2 John, U. & Hanke, M. (2002): Alcohol-attributable mortality in a
high per capia consumption country – Germany, in: Alcohol and
Alcoholism 37; 581-585)
3 Statistisches Bundesamt, 2003
4 Anderson, P. & Baumberg, B. (2006): Alcohol in Europe. London:
Institute of Alcohol Studies
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Zuletzt geändert: 20.10.2008
Für alle Betroffenen und für jede Art von Sucht gilt: Bei den Ursachen spielt die Kombination von Erbfaktoren, Persön-
lichkeitsstrukturen und psycho-sozialem Umfeld eine große Rolle.
Wir leben in einer Zeit, in der sich die Rahmenbedingungen ständig ändern. Es gibt eine Vielzahl differenzierter Behandlungs- und Rehabilitations-
angebote für Abhängige. Ein Patentrezept gibt es nicht. Nur viele kleine Schritte führen zum Ziel.