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Verschiedene Ursachen

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Verschiedene Ursachen: Dünne Haut, Risse in der Seele

Um eine Depression zu verstehen, müssen die engen Verflechtungen von Genen, Körper, Kopf, Lebenserfahrungen, Lebensbedingungen und Lebensgeschichte entwirrt werden.

Heute weiß man: Depressionen haben selten eine Ursache. Die meisten treten im Zusammenhang mit äußeren Ereignissen auf – in Situationen, in denen sich Aufgaben, Inhalte, Ziele ändern: unerfüllte Liebe, Familien-
konflikte, Berufsstress, Arbeitslosigkeit und in der Folge soziale Isolation, Einsamkeit, Verlust eines geliebten Menschen. Oft beginnt eine Depression auch in dem Moment, in dem ein lang ersehntes Ziel erreicht wird. Das kann ein sportlicher Erfolg sein, eine Beförderung und sogar eine Heirat.

„Entscheidend ist das Zusammenspiel von biologischen und sozialen Mechanismen“, hat der Psychiatrieprofessor Jörg Aldenhoff, Kiel, befunden. Er ist damit wie viele Forscher der Ansicht, dass die beiden Megafaktoren, die eine Depression auslösen, eine Verletzbarkeit der Psyche – Vulnerabilität – und Stress sind. Vulnerabilität lässt sich auch mit Dünnhäutigkeit übersetzen: die Haut wird durchlässig, die Seele empfindsam, die Stressverarbeitung gestört. Entsprechend werden die Zusammenhänge in der Wissenschaft unter dem Vulnerabilitäts-Stress-
Modell
zusammengefasst.

„Die Seele atmet durch den Körper“

Der amerikanische Neurobiologie Antonio Damasio von der Universität Iowa hat es so formuliert: „Bei der Depression atmet die Seele durch den Körper“. Er meinte damit: Um eine Depression zu verstehen, müssen die engen Verflechtungen von Genen, Körper, Kopf, Lebenserfahrungen, Lebensbedingungen und Lebensgeschichte entwirrt werden. In einigen Fällen lassen sich organische Ursachen festmachen: Stoffwechsel-
krankheiten (Diabetes), degenerative Erkrankungen wie eine Demenz, Vergiftungen oder Drogenmissbrauch.

Zu den Risikofaktoren, die für das Auftreten und Fortbestehen von depressiven Störungen im Alter unabhängig von allen anderen Faktoren eine zentrale Rolle spielen, ermittelten niederländische Forscher von der Universität Groningen 2006 den Neurotizismus. Der Begriff bezeichnet die Gesamtverfassung eines Menschen, die durch Labilität, Schüchternheit und Gehemmtheit charakterisiert ist.

Die Statistik zeigt, dass bei Frauen in unseren Breiten eher und öfter eine Depression diagnostiziert wird als bei Männern. Dabei leiden Männer unter seelischen Belastungen genauso wie Frauen. Nur sprechen sie nicht darüber. In der Tat scheinen Männer Depressionen anders zu bewältigen, sie verbergen sie eher hinter Beschreibungen wie „Persönlichkeits-
problem“ oder „Ich trinke im Moment zu viel“. Interessant ist ein Blick in Kulturkreise, in denen Alkohol verpönt ist: Dort sind Männer und Frauen gleich oft depressiv.

In Deutschland leiden fünf Prozent der Bevölkerung unter einer depressiven Störung.1

 

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1 Hoffmann N., Schauenburg H. (Hrsg): Psychotherapie der
   Depression. Thieme Verlag, Stuttgart, 2. überarb. Aufl., 2007

 

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Zuletzt geändert: 20.10.2008

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