
Lungenentzündung
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Irgendwie steht sie immer im Schatten der Grippe, und ist doch nicht minder gefährlich: Entzündungen des Lungengewebes sind die häufigsten tödlich verlaufenden Infektionskrankheiten in Europa und weltweit. In Deutschland werden bis zu 300.000 Patienten jedes Jahr ambulant und stationär behandelt.
Vorbei sind die Zeiten, da allein chronisch Kranke und Menschen mit Immundefekten oder vorangegangenen Virusinfektionen (z.B. Grippe) zum Kreis der Gefährdeten gehörten: Entzündungen des Lungengewebes (Pneumonien) treten bei Gesunden und in jedem Alter auf. Gefährlich sind sie dennoch vor allem für Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen, da deren Abwehrkräfte entweder noch nicht oder nicht mehr richtig ausgebildet sind. Bei ihnen breiten sich die Erreger einfacher aus und lösen Krankheiten mit lebensbedrohlichen Symptomen aus. So sterben weltweit jährlich etwa 1,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung, die allein durch Bakterien namens Pneumokokken ausgelöst wurde.
Bei Erwachsenen steigt die Sterblichkeit an Lungenentzündungen mit dem Alter und zeigt die höchsten Todesraten bei den sehr alten Menschen. Die Anzahl der Todesfälle variiert innerhalb Europas erheblich, vermutlich weil nicht alle Fälle registriert werden. Dennoch bleiben Pneumokokken-
Erkrankungen neben Infektionen durch Grippeviren die am häufigsten tödlich verlaufenden Infektionen, die durch rechtzeitige Impfung vermieden werden können.
Seit 1998 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin generell allen über 60-Jährigen eine Impfung gegen die wichtigsten Auslöser einer „klassischen“ Lungenentzündung (typische Pneumonie) – und das sind meist Pneumokokken. Von den mehr als 83 verschiedenen Erregertypen werden gut 23 durch den Impfstoff lahmgelegt. Gerade die sind von der schlimmsten Sorte, weil für 90 Prozent der Erkrankungen verantwortlich. Bei Kindern unter zwei Jahren provoziert dieser Impfstoff jedoch keine ausreichende Immunreaktion. Daher wurde ein so genannter Konjugatimpfstoff entwickelt, der vor sieben Variationen von Erregertypen schützt, die in den USA für 85 Prozent, in Deutschland für etwa 75 Prozent der Lungenentzündungen bei Säuglingen und Kleinkindern verantwortlich sind.
Die Immunisierung bei Kindern unter zwei Jahren gehört in den USA seit 2002 zum Standard. Das hat zum einen die Gesamtrate der Klinikeinweisungen aufgrund einer Lungenentzündung um 39 Prozent gesenkt, zum anderen die Infektionen bei nicht geimpften Kindern und Erwachsenen drastisch reduziert (Prinzip der "Herdenimmunität").
Seit August 2006 wird nun auch in Deutschland die Pneumokokken-
Impfung für alle Kinder ab dem 2. Lebensmonat bis zum vollendeten 2. Lebensjahr empfohlen.
Anschließend schützt die Impfung – in Form einer Spritze in den Oberarm – Kinder unter zehn Jahren mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grundkrankheit (z.B. angeborene oder erworbene Immundefekte, chronischer Krankheiten wie Diabetes, Asthma, Herz-Kreislauf-
erkrankungen) drei Jahre vor Komplikationen, Erwachsene sechs Jahre. Dann kann sie wiederholt werden. Nebenwirkungen zeigen sich meist an der Einstichstelle, z.B. als ausgeprägte Hautrötung und Schwellung.
Im Gegensatz zu Grippeviren haben Pneumokokken keine Saison. Deshalb impfen Allgemeinärzte während des ganzen Jahres.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Pneumokokken zu den bedeutendsten bakteriellen Krankheitserregern. Da klingt es erstaunlich, dass Pneumokokken bei vielen Gesunden natürliche Bewohner des Nasen-Rachen-Raums sind. Gefährlich werden sie erst, wenn sie sich außerhalb dieses Lebensraums ausbreiten: wenn sie zum Beispiel ins Mittelohr und von dort zu den Hirnhäuten gelangen und Entzündungen auslösen. Oder wenn sie sich über die Atemwege in Richtung Herzbeutel aufmachen. Gelangen sie in den Blutkreislauf, droht eine lebensgefährliche Blutvergiftung (Sepsis).
Im Nasen-Rachen-Raum selbst sind Pneumokokken oft die Ursache von akuten und chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Sinusitis).
Eine Lungenentzündung kann auch die bakterielle Komplikation einer harmlos beginnenden Erkältung sein.
Die Symptome sind je nach Alter, Begleiterkrankung, Schweregrad und Art der Infektion unterschiedlich: Schüttelfrost und plötzliches hohes Fieber über 39°C sind meist die ersten Anzeichen, dann folgen zum Beispiel heftiger Husten mit Auswurf und Atemnot, massive Ohrenschmerzen bei einer Mittelohrentzündung (Otitis media) oder rasender Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Lähmungen bei einer Hirnhautentzündung (Meningitis).
Mittel der Wahl bei einer typischen Pneumonie leichten Grades ist die antibiotische Therapie, vor allem mit Penizillinen. Allerdings wird die bewährte pharmazeutische Waffe stumpf, weil weltweit immer mehr Keime gegen Antibiotika resistent werden. Gründe dafür sind unkontrollierte Einnahmen, Unterdosierung und/oder zu frühes Absetzen der Antibiotika. Hinzu kommt die tückische Struktur der Pneumokokken: Die kugelförmigen bis länglichen Bakterien werden von einer Kapsel umhüllt, die sie vor den Fresszellen unseres Immunsystems schützt. Die Kapsel maskiert sozusagen die Erreger, die Zellen können sie nicht erkennen.
Wyeth Pharma: Presse-Hintergrund-Informationen Pneumokokken-Infektionen, 2007
Grijalva, C. et al.: Impfung gegen Lungenentzündung im Kindesalter in den USA. Lancet 2007; 369; 1179
Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin Nr. 30 und 31, Juli und August 2007
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Zuletzt geändert: 20.10.2008
In den vergangenen Jahren hat die Grippewelle in Deutschland immer erst deutlich nach der Jahreswende be-
gonnen. Mit einer Impfung im Oktober, November oder auch im Dezember bleibt genug Zeit für die schützende Spritze.
Irgendwie stehen sie immer im Schatten der Grippe, und sind doch nicht minder gefährlich: Entzündungen des Lungengewebes sind die häufigsten tödlich verlaufende Infektionskrankheiten in Europa und weltweit. In Deutschland werden bis zu 300.000 Patienten jedes Jahr ambulant und stationär behandelt.
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