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Impfempfehlungen

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Impfempfehlung: Für jung und alt

Es gibt in Deutschland keine Impfpflicht, sondern lediglich Empfehlungen.

Die entscheidende Instanz in allen Impffragen ist das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. Die zwölf bis 16 Experten der STIKO, der Ständigen Impfkommission am RKI, beraten zweimal jährlich, wie die Bevölkerung am besten vor schweren Infektionen zu schützen ist und passen ihre Empfehlungen der aktuellen Situation an.

Neue Empfehlungen für Standardimpfungen werden in den offiziellen Impfkalender für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene aufgenommen, überflüssige gestrichen. Sofern keine konkreten Gegenanzeigen vorliegen, sollten die Standardimpfungen auch alle chronisch Erkrankten erhalten. Wirksam werden die Empfehlungen jedoch erst, wenn sie von einer Landesgesundheitsbehörde übernommen wurden. Denn Impfschutz ist Ländersache. Welche Empfehlungen in Ihrem Bundesland gültig sind, erfahren Sie bei den Ärzten, die Standardimpfungen vornehmen (z.B. Kinder-, Jugendarzt, Allgemeinmediziner, Internist) sowie beim Gesundheitsamt.

Sie können eine Impfung ohne Angabe von Gründen ablehnen. Sie können jedoch nur schwer selbst entscheiden, ob der Nutzen einen möglichen Schaden überwiegt. Wenngleich eine „mögliche Risikoabwägung“ (deutlich mehr Nutzen als Schaden) die Voraussetzung ist, dass überhaupt Impfstoffe zugelassen und empfohlen werden. Dennoch: Sie brauchen sachlich richtige Aufklärung, Empfehlungen für Verhaltensmaßnahmen nach einer Impfung, Hinweise zu Auffrischimpfungen und eine Impfbescheinigung bzw. einen Impfpass. Diese Aufgaben übernehmen die Ärzte, die auch die Impfungen vornehmen. Persönliche Überzeugungen dürfen dabei nicht zum Maßstab gemacht werden, es müssen Ihnen aktuelle medizinisch-wissenschaftliche Erkenntnisse vermittelt werden.

Empfehlungen bis zum zweiten Geburtstag

Geimpft wird gegen Einzelbestandteile von Krankheitserregern (Antigene), die in den ersten Lebenstagen oder –monaten schwere Krankheiten auslösen können.

Ihr Kind sollte mit 15 Monaten gegen sechs Erkrankungen vollständig geimpft sein:

  • Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Hib-Infektionen (Haemophilus influenzae Typ B, Erreger einer Hirnhautentzündung), Poliomyelitis (Kinderlähmung), Hepatitis B.

Hinzu kommen im zweiten Lebensjahr eine Impfung gegen

  • Pneumokokken (Erreger einer Lungenentzündung); gegen Meningokokken (Erreger einer Hirnhautentzündung = Meningitis oder einer Blutvergiftung = Sepsis); gegen Varizellen (Erreger von Windpocken); zwei Kombinations-Impfungen gegen die drei „Kinderkrankheiten“ Masern, Mumps und Röteln (bis zum Ende des zweiten Lebensjahres).

Warum so früh, fragen Sie sich?

Ganz einfach: Gegen Keuchhusten und Hib besteht kein mütterlicher Nestschutz. Nestschutz aber ist eine feine Sache: So werden Antikörper bezeichnet, die in den letzten Wochen der Schwangerschaft und beim Stillen auf das Kind übertragen werden. Vor allem die Vormilch enthält jede Menge davon. Einige Zeit bleiben sie im Magen-Darm-Trakt des Babys, bekämpfen dort eindringende Erreger und helfen so, vor allem Durchfälle zu vermeiden. Dem Nestschutz sind jedoch Grenzen gesetzt: Antikörper aus der Muttermilch gehen nicht ins Blut des Babys über. Viele Infektionen können sie daher nicht verhüten. Außerdem hat Muttermilch am Ende des vierten bis sechsten Monats praktisch keine Antikörper mehr. Die Impfungen im ersten Lebensjahr schließen die wichtigsten Lücken im Nestschutz.

Empfehlungen ab 5. bis 17. Lebensjahr

Nach der Grundimmunisierung sind regelmäßige Auffrischimpfungen die beste Garantie, dass der notwendige Impfschutz erhalten bleibt. Außerdem wird – wenn sinnvoll – gegen weitere Infektionskrankheiten geimpft.

Auffrischimpfungen:

Empfohlen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio.

Grundimmunisierung:

Empfohlen gegen Hepatitis B bei allen noch nicht geimpften Jugendlichen bzw. bei unvollständigem Impfschutz.

Neue Standardimpfung:

Seit März 2007 empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Humane Papillomaviren, von denen einige Gebärmutterhalskrebs verursachen können, für alle Mädchen von 12 bis 17 Jahren (d.h. bis zum letzten Tag vor dem 18. Geburtstag).1

Zurzeit nicht generell empfohlen:

Eine Wiederimpfung gegen Hepatitis B zehn Jahre nach der Impfung im Säuglings- und Kleinkindalter. Nur Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die einer Risikogruppe angehören, erhalten eine Wiederimpfung gegen Hepatitis B, wobei der Impferfolg kontrolliert werden soll. Risikogruppen sind z.B. Patienten mit chronischer Nieren- oder Leberkrankheit; HIV-Positive; Drogenabhängige; Patienten vor einer großen Operation; Personen mit Kontakt zu Trägern von Hepatitis-B-Viren; Personen, deren Sexualverhalten mit hohem Infektionsrisiko einhergeht; Personen mit Kontakt zu potenziell infektiösem Material (z. B. Studenten, im Gesundheitsdienst Tätige, Müllentsorger, Polizisten).2

Empfehlungen ab 18. Lebensjahr

Impfmüdigkeit gilt nicht: Jeder Arztbesuch sollte auch dafür genutzt werden, um den Impfstatus zu überprüfen und gegebenenfalls zu vervollständigen. Das gilt jeweils zehn Jahre nach der letzten Impfung für die Auffrischungen gegen Tetanus und Diphtherie.

Bezüglich der Masern-Impfung hat die STIKO den Kreis der Risikogruppen erweitert3: Erwachsene mit einem beruflichen Erkrankungsrisiko sollten gegen Masern geimpft werden, sofern sie keinen Schutz haben. Empfohlen wird die Impfung nun für Beschäftigte aller Fachrichtungen des Gesundheitswesens mit Kontakt zu Patienten und in allen Gemeinschaftseinrichtungen, z.B. in Schulen und Kinderheimen.

Die STIKO berücksichtigt damit die Erfahrungen aus den großen Masernausbrüchen der vergangenen Jahre, unter anderem 2006 in Nordrhein-Westfalen. Dabei waren häufiger als früher ältere Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene erkrankt. Die STIKO betont die Notwendigkeit von Impfungen nach Kontakt zu Masernkranken und erweitert die Impfempfehlung auf alle Kontaktpersonen, die nicht oder nur einmal geimpft sind oder deren Immunstatus unklar ist.

Seit 1998 wird generell allen über 60-Jährigen eine Impfung gegen die wichtigsten Auslöser einer „klassischen“ Lungenentzündung (typische Pneumonie) empfohlen. Im Gegensatz zu Grippeviren gibt es für Pneumokokken keine Saison, deshalb impfen Allgemeinärzte während des ganzen Jahres.

Dagegen werden vom Robert Koch-Institut und vom Paul-Ehrlich-Institut seit Jahren der Oktober und November als ideale Impfmonate gegen Influenza empfohlen. „Geimpft werden sollten in diesen beiden Monaten vorrangig ältere Menschen, chronisch Kranke jeden Alters und medizinisches Personal in Krankenhäusern und in der Altenpflege“, betont Reinhard Kurth, Präsident des RKI.

 

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1 Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin, 23. März 2007/Nr. 12

2 Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin, 27. Juli 2007/Nr. 30

3 Robert Koch-Institut: Neue Empfehlungen der Ständigen
   Impfkommission, Pressemitteilung, 30. Juli 2007

 

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Zuletzt geändert: 20.10.2008

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