
Experteninterview
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Dr. Oliver Brummer, Abteilung für Gynäkologie der Asklepios Klinik Hamburg-Altona, Leiter der Dysplasie-Sprechstunde, im Gespräch mit Medmonitor.
Wir sind spezialisiert auf Erkrankungen von Gebärmutterhals, Muttermund, Scheide und äußeren Geschlechtsorganen. Zu uns kommen Frauen, bei denen der niedergelassene Gynäkologe im Rahmen der Krebsvorsorge einen auffälligen Abstrich festgestellt hat, zur weiteren Abklärung und – wenn nötig – möglichst schonenden Therapie. Die Aufgabe unserer Sprechstunde ist es, durch zusätzliche Untersuchungen Krebsvorstufen – das sind in der Fachsprache Dysplasien – festzustellen. Aber auch Beschwerden oder Infektionen aller Art, zum Beispiel Feigwarzen, können Gründe für eine Überweisung zu uns sein.
Die Feigwarzen bzw. Condylome selbst nicht, die sind gutartig, aber hochinfektiös und sollten bei beiden Partnern frühzeitig entdeckt und therapiert werden. Die auslösenden Viren gehören allerdings zum Humanen Papillomavirus, abgekürzt: HPV. Von dem Virus gibt es über 150 verschiedene Typen. Einige davon sind gefährlich, zum Beispiel die Typen 16, 18, 31 und 33. Als so genannte High-risk Typen können sie zu bösartigen Veränderungen am Gebärmutterhals führen. Dagegen zählen die Typen 6 und 11 zu den Low-risk Typen und sind für die Entstehung von Condylomen verantwortlich. Seit Anfang der 80er Jahre wissen wir, dass eine Infektion mit humanen Papillomaviren der entscheidende, wenn auch nicht alleinige Faktor für Dysplasien und Gebärmutterhalskrebs ist.
Die HPV-Infektion ist eine sehr häufige Infektion, die nur durch ungeschützten Sex mit wechselnden Partnern übertragen wird und dann meist zu Beginn der sexuellen Aktivität. Wer gute Abwehrkräfte hat, merkt davon nichts, weil das Immunsystem die Viren erfolgreich bekämpft. Etwa 75 Prozent aller Frauen und Männer durchlaufen in ihrem Leben eine HPV-Infektion. Die Mehrzahl überwindet sie und bleibt immun gegen den jeweiligen Erregertyp. Es ist möglich, dass man sich beim Partner ansteckt und erst viele Jahre später eine Zellveränderung festgestellt wird. In dieser Zeit kann die Infektion beim anderen längst ausgeheilt sein.
Einige wenige Frauen, etwa drei Prozent, können die Viren nicht vollständig eliminieren. Bei ihnen nisten sich Erbgut-Teile des Virus in Zellen des Gebärmutterhalses ein. Nur bei diesen Frauen besteht das Risiko für Gewebeveränderungen, den Krebsvorstufen. Das dauert einige Jahre. Werden die Vorstufen nicht erkannt und behandelt, kann daraus ein bösartiger Tumor entstehen. Ursache des Gebärmutterhalskrebses ist immer eine lang anhaltende HPV-Infektion.
Nein. Krebsvorstufen des weiblichen Genitale sind Zellveränderungen, die nicht bösartig sind, da sie die Grenze zum unterliegenden Gewebe nicht durchwachsen haben. Vorstufen verursachen keinerlei Beschwerden und werden deshalb von Patientinnen nicht bemerkt. Je nach Schweregrad können diese Vorstufen aber entarten, wenn sie nicht entfernt werden.
Grundsätzlich werden alle Krebsvorstufen in drei Schweregrade unter-
teilt. Die Einteilung wird anhand einer Gewebeprobe vorgenommen. Leichte Vorstufen bilden sich in etwa 70 Prozent der Fälle binnen zwei Jahren spontan zurück. Bei mittelschweren Veränderungen gilt das für etwa 50 Prozent. Hochgradige Vorstufen müssen entfernt werden, da die Wahrscheinlichkeit des Übergangs in einen bösartigen Tumor hoch ist.
Infektionen ohne oder mit einer leichten Krebsvorstufe müssen zunächst einmal nur beobachtet werden. Bei hochgradigen Dysplasien erfolgt ein kleiner chirurgischer Eingriff, bei dem das befallene Gewebe per Laser kegelförmig aus dem Gebärmutterhals entfernt wird. Die Gebärmutter bleibt erhalten. Meist wird eine solche sogenannte Konisation ambulant durchgeführt.
Indem man ein- bis zweimal jährlich zur Vorsorge geht. Mit dem Pap-Test, das ist ein Abstrich von Zellen des Gebärmutterhalses, lassen sich relativ sicher Gewebeveränderungen feststellen. Zur absoluten Sicherheit – auf jeden Fall aber bei einem auffälligen Befund – sollte ein DNA-Test zum Nachweis der HP-Virustypen gemacht werden. Der HPV-Test hilft, bösartige Neuerkrankungen bereits im frühesten Stadium zu erkennen, er kostet 50 bis 80 Euro, die Kassen zahlen bei Verdacht.
Stimmt. Jedes Jahr erkranken 6000 bis 7000 Frauen neu, in etwa 2000 Fällen verläuft die Erkrankung tödlich. In Europa sterben am Zervix-
karzinom täglich mehr als 40 Frauen. Es ist deshalb ein historischer Schritt, dass nun ein Impfstoff entwickelt werden konnte, der sehr stark antigen ist. Der Impfstoff enthält künstliche Hüllen der HP-Viren, gegen die das Immunsystem Antikörper bildet. Der Impfstoff immunisiert gegen die Risikotypen HPV 16 und 18 und gegen die Genitalwarzen verursachen-
den Typen 6 und 11. Es werden drei Einzelimpfungen in sechs Monaten durchgeführt.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt sie allen Mädchen von 12 bis 17 Jahren vor dem ersten Geschlechtsverkehr – und damit allen, die noch keinen HPV haben können. Alle anderen sollten einen HPV-Test machen lassen. Bei negativem Ergebnis ist auch für sie eine Impfung sinnvoll. Wenn es gelingen könnte, den größten Teil der jungen Mädchen zu impfen, ließe sich das Problem der Krebsvorstufen und Krebserkrankungen am Gebärmutterhals sehr stark reduzieren. Man kann außerdem davon ausgehen, dass eine nachhaltige Bekämpfung nur dann gelingt, wenn auch die jungen Männer als Virusträger ausscheiden. Mit dem Hinweis, dass die Impfung nicht nur gegen Genitalwarzen schützt, sondern auch gegen Peniskrebs, sollte ihnen die Impfung attraktiv gemacht werden.
Nein, da die Generationen der ungeimpften Frauen weiter versorgt werden müssen. Zudem ist die Dauer der Immunität nach der Impfung derzeit noch nicht bekannt. Aber sie scheint langfristig zu sein, da die antiviralen Titer nach Impfung um ein vielfaches höher sind als bei der natürlichen Infektion. Es wird möglich sein, ein Karzinom, das virusbedingt entsteht, durch eine Impfung mittel- bis langfristig zu eliminieren. Daran sollten sich alle Ärzte und Ärztinnen beteiligen.
Eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und des Berufsverbandes der Frauenärzte vom 18. Februar 2008 lesen Sie hier.
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Zuletzt geändert: 26.05.2008
In den vergangenen Jahren hat die Grippewelle in Deutschland immer erst deutlich nach der Jahreswende be-
gonnen. Mit einer Impfung im Oktober, November oder auch im Dezember bleibt genug Zeit für die schützende Spritze.
Irgendwie stehen sie immer im Schatten der Grippe, und sind doch nicht minder gefährlich: Entzündungen des Lungengewebes sind die häufigsten tödlich verlaufende Infektionskrankheiten in Europa und weltweit. In Deutschland werden bis zu 300.000 Patienten jedes Jahr ambulant und stationär behandelt.
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