
Gebärmutterhalskrebs
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Seit März 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) jungen Frauen eine Impfung, die gezielt vor Gebärmutterhals-
krebs schützt – der gefährlichen Spätfolge einer Infektion mit Warzenviren, die beim Sex übertragen werden.
Nicht erst seit Aids zählen sie zu den unangenehmen Begleit-
erscheinungen des modernen Liebeslebens: sexuell übertragbare Krankheiten, abgekürzt auch STDs (engl.: Sexually Transmitted Diseases) genannt. Unter dem Begriff finden sich nicht mehr nur die klassischen Geschlechtskrankheiten wie Syphilis oder Tripper (Gonorrhoe), sondern auch andere durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten übertragene Infektionen. Beispiele sind Herpes Genitalis und Genitalwarzen, die auch als Feigwarzen oder Kondylome bekannt sind.
Genitalwarzen entstehen durch Viren, die zur großen Familie der Humanen Papillomaviren (HPV) gehören. Die meist stecknadelkopfgroßen Knötchen zeigen sich nach frühestens vier Wochen an Schamlippen und Penis, in der Harnröhre oder im Scheiden- oder Afterbereich und sind gutartig. Andere HP-Viren sind es nicht immer: Einige von ihnen verursachen Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom), vor allem die HPV-Hochrisiko-Typen 16 und 18.
Gebärmutterhalskrebs ist in Europa die zweithäufigste Krebs-Todesursache bei Frauen unter 45 Jahren. In Europa sterben jährlich etwa 15.000 Patientinnen daran. Für Deutschland registriert man zurzeit etwa 7.000 Neuerkrankungen an Gebärmutterhalskrebs und 2.000 Todesfälle pro Jahr. In der Altersgruppe der 25- bis 35-jährigen Frauen ist Gebärmutterhalskrebs die vierthäufigste Krebserkrankung. Ein Großteil aller Frauen macht im Laufe ihres Lebens die Infektion – oft unbemerkt – durch, und das Immunsystem besiegt die Erreger. Bleiben die Viren aber im Körper, Mediziner sprechen von einer persistierenden Infektion, kann sich im Verlauf vieler Jahre Krebs entwickeln.
Als ein Meilenstein in der Krebsvorbeugung und –bekämpfung gilt nach jahrzehntelanger Forschung deshalb die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Gebärmutterhalskrebs. Es handelt es sich um einen biotechno-
logisch hergestellten Totimpfstoff. Der Impfstoff enthält Partikel, die den natürlichen Viren sehr ähnlich, jedoch nicht infektiös und nicht vermehrungsfähig sind. Äußerlich sehen sie genauso aus wie die Viren, enthalten aber nicht deren gefährliche Erbinformationen. So können sie das Immunsystem anregen, große Mengen Antikörper gegen die Papillomaviren zu bilden, ohne selbst Schaden anzurichten.
Der erste Impfstoff ist seit Herbst 2006 auch in Deutschland auf dem Markt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Berliner Robert-Koch-Institut empfiehlt seit März 2007 eine HPV-Impfung für alle Mädchen von 12 bis 17 Jahren.
Der zurzeit auf dem Markt befindliche Impfstoff schützt in erster Linie gegen die Hochrisiko-Typen 16 und 18, da diese Viren zusammen für etwa 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen und ebenfalls für einen großen Teil der Krebsvorstufen verantwortlich sind. Die restlichen 30 Prozent werden von anderen HPV-Typen ausgelöst, gegen die es bislang noch keinen Impfstoff gibt, man geht jedoch heute von einer gewissen Kreuzimmunität aus. Zusätzlich schützt die Impfung gegen die HPV-Typen 6 und 11, die hauptverantwortlichen Viren für genitale Warzen. Die sind zwar nicht lebensbedrohlich, aber dauerhaft, problematisch und kostenintensiv in der Therapie.
Die Ergebnisse klinischer Studien sind gut. Professor Achim Schneider M.P.H. von der Charité Berlin verweist auf die Studien mit über 30.000 Teilnehmerinnen: „Der Impfstoff hat sich als ausnahmslos sicher und bis zu 100 Prozent effektiv gezeigt. Die Wirksamkeit hat sich inzwischen über fünf Jahre bestätigt, wir können von einer lange anhaltenden Schutz-
wirkung ausgehen.“ Andere Daten zeigen, dass die Gefahr für eine HPV-Infektion hoch ist. Bereits fünf Jahre nach Aufnahme der sexuellen Aktivitäten sind 60 Prozent der jungen Frauen mit den Viren infiziert gewesen.
Neue Daten zeigen darüber hinaus, dass bei zehn weiteren HPV-
Virustypen einen Schutzeffekt zu erwarten ist und dass der Impf-
stoff wahrscheinlich mindestens zehn Jahre wirkt.1
„Wir haben erstmals die Möglichkeit, gegen eine Krebserkrankung zu impfen und wir werden alle Informationen bereitstellen, um Ängste zu nehmen und aktiv für eine hohe Inanspruchnahme in Deutschland einzutreten“, sagt Professor Peter Hillemanns, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Frauenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Sprecher der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.
Frauen, die keine Impfung gegen HPV in dem von der STIKO empfohlenen Alter erhalten haben, können ebenfalls von der Impfung profitieren. Nach Angaben von pro Familia ist der zurzeit verfügbare Impfstoff „in Europa zugelassen für Mädchen und Jungen zwischen neun und 15 Jahren sowie für junge Frauen zwischen 16 und 26 Jahren. Es darf also auch prinzipiell vor dem 12.Lebensjahr und von 18 bis 26 geimpft werden.“ Ihr Arzt kann Sie dazu beraten. Allerdings gibt es bisher keine schlüssigen Untersuchungen, inwieweit eine Impfung von Jungen und jungen Männern eine Infektion bei Frauen verhindern kann. Entsprechend wird eine Impfung von der STIKO aktuell nicht empfohlen.
Onkologie-Kongress ECCO, Paris, 2005
Deutsches Grünes Kreuz, 2007
Statistisches Bundesamt, 2006
STIKO, März 2007
Informationsdienst Wissenschaft: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V., Pressemitteilungen,16.10.2006 und 22.1.2007
Deutsche Krebsgesellschaft: Impfempfehlung gegen Humane Papillomaviren, Pressemitteilung 27.März 2007
Deutsches Krebsforschungszentrum, dkfz, Pressemitteilung Nr. 96, 20.11.2006
Pro Familia: Die HPV-Impfung, profamilia.de
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1 Schützt Impfung die Zervix stärker als bisher vermutet?
Hinweise auf Kreuzprotektivität bei HPV-Vakzine. Ärzte-Zeitung,
23.11.2007
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Zuletzt geändert: 20.10.2008
In den vergangenen Jahren hat die Grippewelle in Deutschland immer erst deutlich nach der Jahreswende be-
gonnen. Mit einer Impfung im Oktober, November oder auch im Dezember bleibt genug Zeit für die schützende Spritze.
Irgendwie stehen sie immer im Schatten der Grippe, und sind doch nicht minder gefährlich: Entzündungen des Lungengewebes sind die häufigsten tödlich verlaufende Infektionskrankheiten in Europa und weltweit. In Deutschland werden bis zu 300.000 Patienten jedes Jahr ambulant und stationär behandelt.
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