
Das Immunsystem
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Die Welt, in der wir leben, ist so feindselig, dass jeder Atemzug, jeder Bissen, jeder Kontakt zur Umwelt eigentlich tödlich sein müsste. Was uns täglich das Leben rettet, ist ein hochkomplexes System aus Organen und Zellen.
Es ist der Schlüssel zu unserer Gesundheit und gewissermaßen unser innerer Arzt: Das Immunsystem leistet im Kampf gegen jede Art von Keimen Heldenhaftes. Es verfügt über zehn Millionen verschiedener Abwehrzellstämme, von denen jeweils 10.000 einzelne aktiv sind. Die gesamte Armada wird im Knochenmark gebildet und vermehrt sich dort. Anschließend wandern die Zellen aus und besiedeln verschiedene Organe, wo sie sich weiterentwickeln können: die Rachenmandeln (Tonsillen), Thymusdrüse und Milz, den Darm, das Lymphsystem mit seinen Gefäßen und Knoten.
Die Zellen des Immunsystems, von denen ein Teil zur großen Gruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gehört, patrouillieren mit einer Vielzahl weiterer Abwehrstoffe ständig im gesamten Körper auf der Suche nach Eindringlingen, also fremden Antigenen. Durchdringt ein Erreger die äußeren Schutzbarrieren – also die Haut und Schleimhäute, z.B. des Magen-Darm-Trakts, der Atemwege oder der Genitalorgane -, reagiert das Immunsystem mit vier Abwehrmechanismen, die eng kooperieren. Je nachdem, wie schlagkräftig diese Truppen sind, können sich Krankheitserreger ausbreiten oder nicht, werden wir krank oder bleiben gesund.
Steht von Geburt an zur Verfügung und ist gegen kein spezielles Antigen gerichtet. Beispielsweise sorgen die Fresszellen (Makrophagen) und natürlichen Killerzellen dafür, dass Fremdkörper blitzschnell am Ort des Geschehens unschädlich gemacht werden. Beispiel: Durch eine kleine Wunde in der Haut sind Bakterien eingedrungen.
Manchmal reichen diese Funktionen nicht aus, um den Erreger vollständig zu eliminieren und eine Erkrankung zu verhindern. Dann schlägt die Stunde der spezifischen Abwehr.
Wird erworben, bleibt ein Leben lang lernfähig und ist gegen ein spezielles Antigen gerichtet. Der Kampf der T- und B-Zellen dauert so lange an, bis alle Angreifer getötet sind und die Genesung einsetzen kann. Von den Erregern bleibt im Körper nur ein „Fingerabdruck“ als unauslöschliches Erkennungsmerkmal zurück. Besonderen T-Zellen aus dem Thymus, die zu „Gedächtsniszellen“ geworden sind, ist es zu verdanken, dass wir manche Erkrankung kein zweites Mal erleiden müssen: Gedächtnis-T-Zellen erkennen Eindringline jederzeit wieder und sorgen dafür, dass ein zweiter Kontakt mit ihm nicht mehr zur Krankheit führt. Der Mensch besitzt eine erworbene Immunität gegen den Erreger.
Bezeichnet die zahlreichen Abwehrzellen, die direkt an der Beseitigung von Erregern beteiligt sind.
Bezeichnet in den verschiedenen Körperflüssigkeiten gelöste Substanzen, z. B. die verschiedenen Immunfaktoren, Enzyme und Antikörper.
Diese Darstellung des Immunsystems ist stark vereinfacht; sie lässt jedoch erahnen, welch komplizierte Wechselspiele dort stattfinden. Davon ahnen wir zunächst nichts. Dann aber lassen sich wiederholende Erkrankungen darauf schließen, dass die Abwehrkräfte nicht widerstandsfähig genug sind. Typische Signale sind regelmäßige Erkältungen, Lippenherpes, vaginale Infektionen. Chronische Erkrankungen wie die des Herz-Kreislaufsystems, Diabetes oder Funktionsstörungen der Leber bedeuten Dauerstress fürs Immunsystem.
Ein Störfall anderer Art sind Autoimmunerkrankungen. Hier hat der Körper seine Fähigkeit verloren, zwischen eigen und fremd zu unterscheiden. Das Immunsystem greift dann auch körpereigene Substanzen und Gewebe an und zerstört sie. Warum? Anerkannte Hypothesen gehen davon aus, dass Autoimmunerkrankungen durch eine Kombination von erblichen Faktoren und ungünstigen Umwelteinflüssen (z.B. Virusinfektionen) entstehen. Heutzutage sind ungefähr 60 Autoimmunerkrankungen bekannt.1 Beispiele sind Typ-1-Diabetes, Morbus Crohn, Psoriasis, Rheumatisches Fieber.
Noch immer werden die verschiedenen Abschnitte des Darms oft nur als Serpentinen in der Bauchhöhle angesehen, auf denen die unverdaulichen Nahrungsreste eine kurvenreiche Abfahrt antreten. Ist richtig, aber nicht alles. Gleichzeitig steht die Darmschleimhaut unter Dauerbeschuss von Viren, Bakterien, Parasiten und Giftstoffen. Mit der Folge, dass dort etwa 80 Prozent aller Immunzellen des Körpers angesiedelt sind. Der Darm ist das größte Immunorgan des menschlichen Körpers.
Das so genannte darmassoziierte lymphatische Gewebe (GALT: gut associated lymphoid tissue) übernimmt die lebenswichtige Prüfung, ob es sich bei allen körperfremden Substanzen und Zellen um potenzielle Krankmacher oder harmlose Dauerbewohner handelt. Bei dieser Leistung wird GALT von etwa 100 Billionen Bakterien unterstützt. Unterteilt in 400 bis 600 Stämme tummelt sich die bunte Truppe auf der Schleimhaut-
oberfläche zwischen Dünn- und Enddarm – vor allem aber im Dickdarm – und bildet einen mehr oder minder dichten Barriere-Teppich. Schäden der Barrierefunktion werden in Form von Durchfällen, Verstopfung oder auch Nahrungsmittelallergien spürbar. Schlimmstenfalls entwickeln sich in winzigen Nischen Zellen, die für die Bildung feiner Schleimhaut-
veränderungen verantwortlich sind. Die Veränderungen sind bei einer klassischen Darmspiegelung (Koloskopie) kaum nachweisbar und gelten als „Geburtsinseln“ des Dickdarmkrebses.
Wussten Sie, dass auch Gedanken und Gefühle unsere Immunkraft beeinflussen – im Guten wie im Bösen? Über die (biochemischen) Bedingungen für derartige Zusammenhänge konnte noch vor 25 Jahren nur spekuliert werden, da zu wenig über die Kommunikationswege zwischen den drei großen Systemen unseres Körpers – dem Immun-, Nerven- und Hormonsystem – bekannt war.
Mittlerweile kann man messen, wie die Seele mit dem Körper „spricht“: Die Psychoneuroimmunologie (PNI) hat ermittelt, dass das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) mit dem hochintelligenten Immunsystem über Nerven- und Hormonreize in Verbindung steht. Und umgekehrt. Das Ganze heißt psychosomatisches Netzwerk, dessen Existenz bildet die Grundlage für die Erforschung von Verhaltensweisen auf das Immunsystem und umgekehrt von Auswirkungen von Immunprozessen auf das Verhalten.
In der Psychosomatik steht jede körperliche Krankheit mit seelischen Vorgängen in Zusammenhang. Irrtümlicherweise verbinden viele den Wortbestandteil Psycho mit dem gesellschaftlichen Makel, eine Meise zu haben. Psyche ist die Seele, Soma der Körper. Bei psychosomatischen Erkrankungen wandelt sich seelischer Schmerz in körperliche Symptome; sie sind Botschafter chronisch gewordener Konflikte oder Defizite.
Es konnte beispielsweise gezeigt werden, dass akuter seelischer und körperlicher Stress die Funktionen der Körperabwehr beeinflussen: Die Nervenzellen des Gehirns können biochemische Substanzen (z.B. Hormone, Botenstoffe, Neuropeptide) produzieren, die dem Körper dazu verhelfen, effektiver Krankheiten zu verhindern. Andererseits kann die Entstehung oder Verschlechterung von Krankheiten begünstigt werden. Diese lebhafte Kommunikation zwischen allen Systemen wird mit unterschiedlichen Messemethoden z.B. aus der Hirn-, Stress- und Hormonforschung dargestellt.
Die Schaltstellen dieser Regelkreise sind das Gehirn mit der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und dem Zwischenhirn (Hypothalamus), die Nebennieren und die Immunzellen selbst. Darüber hinaus können diese Regelkreise und Informationswege durch den Einfluss von Gedanken, Vorstellungen und Gefühlen gesteuert und damit auch für die Heilung genutzt werden. Umgekehrt beeinträchtigen unbewusste negative Gedanken- und Gefühlsmuster diese Prozesse – im Sinne einer Unterdrückung der Selbstheilung. Die Informationen, die übertragen werden, hängen vom jeweiligen emotionalen Zustand ab.
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1 Wikipedia: Autoimmunerkrankungen
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Zuletzt geändert: 20.10.2008
In den vergangenen Jahren hat die Grippewelle in Deutschland immer erst deutlich nach der Jahreswende be-
gonnen. Mit einer Impfung im Oktober, November oder auch im Dezember bleibt genug Zeit für die schützende Spritze.
Irgendwie stehen sie immer im Schatten der Grippe, und sind doch nicht minder gefährlich: Entzündungen des Lungengewebes sind die häufigsten tödlich verlaufende Infektionskrankheiten in Europa und weltweit. In Deutschland werden bis zu 300.000 Patienten jedes Jahr ambulant und stationär behandelt.
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