
Sekundäre Pflanzenstoffe
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(photocase.com © maria a)
Sekundäre Pflanzenstoffe (SPS) kommen in allen Pflanzen in nur geringen Mengen, aber gigantischer Vielfalt vor. Bekannt sind bisher etwa 10 000, allein im Weißkohl wurden 49 verschiedene SPS identifiziert. Inzwischen weiß man auch, wie sie die Krebsentstehung blockieren können.
Eineinhalb Gramm SPS (etwa so viel werden mit einer gemischten Kost täglich aufgenommen) setzen sich aus 5 000 bis 10 000 Einzel-
substanzen zusammen, die unter anderem für den Geschmack, den Duft und die Farbe von Obst und Gemüse verantwortlich sind. SPS schützen die Erbinformationen einer Zelle vor Schäden; hemmen körpereigene Enzyme, die Tumorzellen aktivieren; beeinflussen die Zellteilung und wirken als Antioxidantien, indem sie freie Radikale abwehren, die den Zellkern schädigen. Der Arzneimittelindustrie dienen die SPS als Basis für zahlreiche Medikamente.
Die Pflanzenfarbstoffe stimulieren die Immunabwehr und wirken antioxidativ und können bei Tumorzellen den Zyklus von Zellwachstum und –teilung beeinflussen. Das bekannteste unter den bisher rund 600 identifizierten Carotinoiden ist das Beta-Carotin.
Reichlich in gelb- und rotfleischigen Früchten wie Aprikosen, Mangos, Kürbis, Möhren und Tomaten; in grünblättrigen Gemüsen wie Grün-, Weißkohl, Brokkoli, Mangold, Spinat.
Nichts geht ohne sie. Diese weit verbreiteten, meist gelben, aber auch roten, blauen oder violetten Farbstoffe (derzeit sind rund 5000 bekannt) stimulieren die natürlichen Killerzellen unseres Immunsystems, hemmen die Umwandlung von Krebsvorläuferzellen in Krebszellen und wirken als Antioxidantien.
Direkt unter der Schale von Obst, in Gemüse und vielen Heilkräutern. Besonders wirksam sind Flavonoide, die aus roten Trauben, Pflaumen, Äpfeln, Heidel- und Moosbeeren, Zwiebeln, Auberginen, Rosenkohl, Kamille, Mariendistel und grünem Tee stammen.
Die zu den Senfölen gehörenden Geschmacksstoffe hindern Tumor-
vorläuferzellen daran, aktiv zu werden und sorgen für die „Entschärfung“ bestehender Krebszellen.
In allen Kohlarten und scharf schmeckenden Pflanzen wie Rettich, Senf, Kresse, Zwiebeln.
Jagen freie Radikale und schützen tiefer liegende Gewebeschichten somit vor radikalen Angriffen. Von Bedeutung sind vor allem drei Vertreter: die Ferula-, die Kaffee- und die Ellagsäure.
Ferula- und Kaffeesäure stecken vorwiegend in Grün-, Weißkohl, Paprika, grünen Bohnen, Radieschen; die Ellagsäure findet sich in Beeren und Walnüssen.
Die Gesamtzahl der Phytoöstrogene wird auf etwa 50.000 geschätzt. Etwa 10.000 kommen in Nahrungsmitteln vor, nur ein Bruchteil von ihnen ist bisher erforscht. Phytoöstrogene ähneln den körpereigenen Östrogenen und haben die gleichen Effekte, nur deutlich schwächer. Sie werden in drei Gruppen unterteilt: Isoflavone (Genistein, Daidzein), Lignane und Cumestane. Sie wirken antioxidativ und beeinflussen Entzündungsprozesse, den Hormonhaushalt (vor allem Isoflavone aus Soja) und das Zellwachstum.
Reichlich in asiatischer und Mittelmeerkost. Isoflavone stecken in Hülsenfrüchten, Hauptquelle ist die Sojabohne. Lignane kommen vor allem in Leinsamen, Beeren, Weizen, Gerste, Sesam und Walnüssen vor, Cumestane in Alfalphasprossen.
Das geringere Vorkommen von Brust- und Prostatakrebs in der asiatischen Bevölkerung wird unter anderem auf den Konsum von relativ großen Mengen an Sojaprodukten zurückgeführt.1 Daher ist es für Wissenschaftler eine wichtige Frage, ob die Europäer mit ihrer völlig anderen Ernährung und Lebensweise von einer Isoflavon-reichen Kost profitieren können. Europäer konsumieren etwa 1 mg Isoflavone pro Tag, asiatische Frauen 50 bis 80 mg.
Die mit Abstand meisten Studien zur Wirksamkeit von Phytoöstrogenen beziehen sich auf Isoflavone aus Soja. Fast zwei Drittel aller Studien berichten eine Verringerung des Brustkrebsrisikos. Eine Studie aus 2004, an der das Deutsche Krebsforschungsinstitut (DKFZ) in Heidelberg beteiligt war, zeigte, dass Phytoöstrogene das Brustkrebsrisiko bei Frauen vor der Menopause halbieren. „Die Frage ist jedoch, ob die Dosis von asiatischen Frauen auf europäische Verhältnisse übertragbar ist, da auch die Dosen in der DKFZ-Studie eher niedriger waren“, schreibt Privatdozent Dr. Uwe Rohr, Medizinische Universität Wien, in der Pharmazeutischen Zeitung.2
Die europaweite EPIC-Studie3 ist 2005 ganz allgemein zu dem Schluss gelangt, dass Obst und Gemüse nicht vor Brustkrebs schützen. „Wir können aber nicht ausschließen, dass bestimmte – in dieser Studie nicht untersuchte – Obst- und Gemüsesorten trotzdem einen schützenden Effekt haben“, so die Schlussfolgerung der Experten.
Deshalb: Essen Sie bunt, denn die Mischung macht´s. Biologisch wirksam ist die Gesamtmenge an Inhaltsstoffen.
Bei einem Teil von Männern mit Prostatakarzinomen verlangsamen Isoflavone den Krankheitsverlauf. Für eindeutige Aussagen zur Prävention fehlen Langzeitstudien.
Phytosterine sind die erste Gruppe von SPS, die wegen ihrer Wirkung im menschlichen Organismus – cholesterinsenkend – zu funktionellen Lebensmitteln verarbeitet wurden. Analog zum Cholesterin im tierischen Gewebe sind Phytosterine essentielle Bestandteile bestimmter Pflanzenteile. Mindestens 44 Phytosterine aus sieben Pflanzenfamilien wurden bisher identifiziert, das häufigste in der Nahrung vorkommende ist das Beta-Sitosterin. Studien haben zudem einen Zusammenhang zwischen einer Ernährung mit viel Phytosterinen und einem niedrigen Risiko für Dickdarmkrebs ergeben.
In fettreichen Pflanzenteilen (Sonnenblumenkernen, Sesamsaaten, Kürbiskernen, schwarzen Oliven); einigen Gemüse- (Blumen-, Rosenkohl, Brokkoli) und Obstsorten (Orangen, Grapefruits).
Phytin wurde lange Zeit als unerwünschter Inhaltsstoff in pflanzlichen Samen angesehen, da Phytin kann die Mineralstoffaufnahme bremsen kann, wenn die Nahrung wenig Vitamin C enthält. Neuere Unter-
suchungen haben jedoch auf eine Krebsschutzwirkung im Dickdarm hingewiesen.
In allen pflanzlichen Samen und damit vor allem in Getreidevollkorn-
produkten, Hülsenfrüchten und Nüssen.
Weil diese Hemmstoffe im menschlichen Organismus wichtige Eiweiß spaltende Enzyme unterdrücken, galten sie früher eher als gesundheits-
schädlich. Heute werden ihnen Krebs hemmende Eigenschaften zuge-
sprochen, vor allem bei Mundhöhlen-, Lungen-, Leber-, Speiseröhren- und Dickdarmkrebs.
Reichlich in Kartoffeln, Erbsen, Erdnüssen, Soja.
Diese in reiner Form sehr bitter schmeckenden Substanzen werden nur in geringen Mengen vom Körper aufgenommen; sie sollen speziell das Dickdarm-Risiko senken, indem sie Cholesterin und Gallensäuren binden.
In Hülsenfrüchten, z.B. Kichererbsen und Sojabohnen.
Diese schwefelhaltigen Substanzen, allen voran das Alliin und Allicin, sind verantwortlich für den intensiven Geschmack und nachhaltigen Geruch der Lauchgewächse. Sie gelten als äußerst vielseitig, schützen vor schädlichen Oxidationen und speziell vor Magenkrebs. Warum, ist noch nicht endgültig geklärt. Diskutiert werden unter anderem die Hemmung von Enzymen, die krebsauslösende Stoffe aktivieren können und eine Stimulation des Immunsystems.
In Lauch, Schnittlauch, Knoblauch, Zwiebeln, Schalotten.
Diese Aromastoffe sind wesentliche Duft- und Geschmacksträger. Ein wichtiges Terpen ist Limonen, das unter anderem in den Schalen der Zitrusfrüchte vorkommt. Eine detaillierte Bewertung der rund 4500 verschiedenen Terpene gibt es bislang allerdings nicht.
In Pfefferminze, Zitronen, Sellerie, Kümmel.
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1 Konsensuspapier Phytoestrogene: Österreichische Menopause
und Andropause Gesellschaft und Österreichische Gesellschaft
für Sterilität, Fertilität und Endokrinologie. Wien, 17. April 2004
in Wien
2 Rohr, U. und Mitglieder des Konsensustreffens Wien: Soja und
Rotklee - Phytoestrogene in der Prävention. Pharmazeutische
Zeitung 45/2004, Govi-Verlag
3 EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and
Nutrition): van Gils et al: JAMA, Vo.293, 183-193. 12.1.05
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Zuletzt geändert: 20.10.2008
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