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Meniskusrisse

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Meniskusrisse: Erhalten statt Ersetzen

Meniskusverletzungen entstehen in jedem Alter, akut bei Sportunfällen oder langfristig durch Verschleiß.

Braucht das Knie einen Meniskus? Die Frage ist einfach zu beantworten: Ja, weil er – beziehungsweise sie, es gibt zwei Menisken pro Knie – drei große Aufgaben hat. Als etwa fünf Millimeter starke knorpelige Unterleg-
scheiben zwischen den Innen- und Außenseiten der Ober- und Unterschenkelknochen wirken sie als Druckverteiler, Stoßdämpfer und Bremsklötze.

Falls Sie immer noch überlegen: Warum die Einstiegsfrage? Weil die Bedeutung der Menisken lange verkannt wurde und sie gern großzügig entfernt wurden. Heute weiß man: Wenn es darum geht, die Funktionen des Kniegelenks zu erhalten, spielt die Behandlung von Meniskus-
verletzungen eine wichtige Rolle.

Fehlt auch nur ein kleiner Teil, kann sich der Kontaktdruck auf die Gelenk-
oberflächen von Ober- und Unterschenkelknochen um ein Mehrfaches erhöhen. Die Knorpelflächen werden so geschädigt, dass binnen zehn bis zwölf Jahren eine Arthrose entsteht. Und da Arthrose nicht heilbar ist, muss früher oder später ein künstliches Kniegelenk die ursprünglichen Funktionen übernehmen.

Um das zu verhindern, operiert man Meniskusrisse zum einen sehr früh, zum andern wird der natürliche Meniskus, wann immer möglich, erhalten. Denn erschwerend kommt hinzu, dass es derzeit kein wirklich geeignetes Transplantat gibt (siehe unten).

Meniskusverletzungen entstehen in jedem Alter

  • akut bei Sportunfällen;
  • langfristig durch Verschleiß;
  • im Zusammenhang mit Verletzungen des Kreuzbandes und anderen Bändern des Kniegelenks. Am häufigsten ist die Kombination Vorderes Kreuzband-Innenband-Innenmeniskus, die auch „unhappy triad“ genannt wird.

Und: Verletzungen entstehen meist am Innenmeniskus, der haftet am inneren Seitenband und kann gegebenenfalls weniger gut ausweichen.

 

 Bild zum Thema Orthopädie, Operationen am Knie, Meniskusrisse

(photocase.com © xxee)

Welcher Sport ist Mord?

Alle Sportarten, die mit häufigen schnellen Richtungswechseln und Sprüngen verbunden sind, sind potenziell gefährlich fürs Knie und damit für die Menisken: Die Druck- und Scherbelastungen sind gewaltig. Wird das Kniegelenk verdreht oder gewaltsam überbeugt, reißt der Meniskus. Prädestiniert hierfür sind zu allererst Fußballspieler, aber auch Hand-, Volley-, Basket-, Tennis-, Squashspieler und alpine Skiläufer. Allerdings reißt beim Skifahren nur selten der Meniskus allein, sondern meist gleich auch noch das vordere Kreuzband.

Eine Art Faustformel hat Professor Dieter Kohn, Direktor der Orthopädie der Universitätsklinik des Saarlandes, geprägt: „Die isolierte Meniskus-
verletzung ist eher typisch für den Fußballspieler, die Kombinations-
verletzung für den Skifahrer.“1 Und nennt als Musterbeispiele für Sportarten, bei denen das Kniegelenk zwar belastet und bewegt, aber nicht verdreht wird, Radfahren und Schwimmen.

Intensiver Schmerz

Ein beschädigter Meniskus ist immer ein gerissener Meniskus. Sie spüren das als intensiven Schmerz an der Innen- oder Außenseite des Knies beziehungsweise genau über dem Gelenkspalt. Verstärkt wird der Schmerz bei Drehbewegungen des Unterschenkels gegen den Ober-
schenkel oder bei längerem Laufen und Treppensteigen.

Typisch sind auch Schwellungen oder Ergüsse, die durch vermehrte Flüssigkeitsbildung im Gelenkinneren entstehen. Einklemmungen und Bewegungsbehinderungen (Blockierungen) entstehen, wenn lappen-
förmig abgerissene Meniskusteile in den Gelenkspalt gleiten, festklemmen und nun ihrerseits die Knorpelflächen schädigen. Schlimmstenfalls ist das der Beginn einer Arthrose.

Vielfältige Rissformen

Ein Meniskusriss stellt sich optisch sehr unterschiedlich dar, der

  • Längsriss verläuft parallel zur Meniskuslängsachse;
  • Korbhenkelriss erstreckt sich vom vorderen zum hinteren Meniskus;
  • Lappenriss (entsteht oft durch Degeneration) beginnt am Rand und zieht teilweise bis zur Basis;
  • Horizontalriss (entsteht meist durch Degeneration) ist ein fischmaulartiger Einriss im Längsverlauf;
  • Radiärriss verläuft quer zum Meniskus keilförmig vom Rand der Innenseite zur Basis;
  • Komplexe Riss besteht aus zwei oder mehreren Verletzungen.

Diagnose

Die Diagnose wird zunächst durch die Anamnese und klinische Unter-
suchung mit Schmerztests gestellt. Gesichert wird das Ergebnis mit bildgebenden Verfahren: Die Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglicht eine vollständige Darstellung der Menisken, so auch die Form, Lokalisation und Größe des Risses. Auch die minimalinvasive Gelenk-
spiegelung
(Arthroskopie) zeigt das exakte Ausmaß der Verletzung. Darüber hinaus wird damit auch operiert. Denn ein gerissener Meniskus heilt nicht von selbst, er braucht Unterstützung.

Experten raten sehr früh zu einer Operation. Die erfolgt heute durchweg arthroskopisch nach der Devise: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Teilentfernung (Teilresektion)

Ein Weg in der Behandlung besteht darin, nur die kaputten Meniskus-
anteile sparsam auszuschneiden – mit speziellen Instrumenten oder per Laser – und anschließend die Schnittkanten sauber zu glätten. Die Beschwerden verschwinden und das Knie ist wieder einsatzfähig. Das Risiko für eine Arthrose ist gering, vorausgesetzt, es musste nur wenig Substanz entfernt werden.

Meniskusnaht (Refixierung/Rekonstruktion)

Ein frischer, glatter und „günstig“ gelegener Riss – das heißt weit am Rand und daher schlecht durchblutet – kann genäht oder mit Stiften, Schrauben, Klammern repariert werden. Solche Implantate haben im Vergleich zu neuen „Softnahtsystemen“ jedoch einen Haken: „Einerseits die geringere Stabilität, andererseits können sie Kratzspuren am Gelenk-
knorpel hinterlassen“, so Prof. Kohn.

„Die saubere Bearbeitung eines Meniskusschadens, der unglücklicher-
weise meistens in den hinteren Abschnitten des Gelenks angesiedelt ist, erfordert einen ausgesprochenen Spezialisten, viel Feingefühl und auch eine ganze Reihe von kleinen Tricks während der Operation selbst, um das Ziel – die Sanierung des Meniskusproblems – ohne Flurschäden (z.B. Knorpelschäden) zu erreichen“, heißt es dazu in den Informationen der Münchner Alpha Klinik.

Transplantat

Der vollständige Verlust eines Meniskus ist eine bis heute ungelöste chirurgische Herausforderung. Alle bisherigen Bemühungen mit körpereigenen Ersatzmaterialien, synthetischen Dauerimplantaten oder Kollagenimplantaten zeigten keine wirklich guten Ergebnisse.2 Außerdem gibt es Widersprüche:

  • Man weiß nicht, ob der Ersatz des Meniskus durch ein Transplantat eine Arthrose verhindern kann.3
  • Andererseits entsteht eine Arthrose nach zehn Jahren ohne Meniskus in 80 Prozent der Fälle.4
  • Mit humanen Meniskustransplantaten ist nach wie vor ein geringes Infektionsrisiko verbunden, die Schmerzen, die nach völligem Meniskusverlust auftreten können, werden jedoch für mindestens fünf Jahre nach Einbau eines Transplantats gemildert.5

Transplantate aus Kollagen gibt es nur unter bestimmten Voraus-
setzungen für einen Teilersatz des Meniskus.

„Es existiert kein wissenschaftlicher Beweis auf hohem Niveau, das ein derzeit von manchen Operateuren verwendetes Kollagenimplantat einen Vorteil gegenüber der Meniskusteilentfernung bringt“, so Prof. Kohn. Mit anderen Worten: Wann immer möglich gilt es, den natürlichen Meniskus zu erhalten statt zu ersetzen.

Zielgruppe für ein Transplantat ist der junge Sportler unter Vierzig, die Operation als solche ist aufwendig und langwierig.

In Europa haben sich viele der mit Meniskustransplantationen befassten Operateure zur European Meniscal Transplantation Group zusammengeschlossen, um ihre Resultate auszutauschen und ihre Methoden zu vereinheitlichen. Medmonitor hält Sie auf dem Laufenden.

 

Quellen:

Alpha Klinik, München: Meniskus

Kohn, D.: Meniskusteilentfernung und Sportfähigkeit. Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin, GOTS, Pressemitteilung, 08.08. 2005

Krankenhaus Maria Hilf, Krefeld, Abteilung für Unfall- und Wieder-
herstellungschirurgie. Fachinformationen

Steiner, R.: Darstellung von Meniskusläsionen an einem 3 Tesla Hochfeld Magnetresonanztomographen. Inaugural-Dissertation, Med. Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br., 2006

 

____________________

1 Kohn, D.: Meniskusteilentfernung und Sportfähigkeit. Gesell-
   schaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin, GOTS.
   Pressemitteilung, 08.08.2005

2 Dann, K.: 9. GOTS Jahrestreffen 2006, Zusammenfassung:
   Update Kniegelenk. Sportmedizinische Aspekte des Kniegelenks
   Zürs am Arlberg, 30.03 bis 02.04.2006

3 Siehe 1

4 BR online: Schwachstelle Knie - Hilfe fürs überlastete Gelenk.
   Gesundheitsgespräch mit Prof. Andreas Imhoff, Poliklinik für   
   Sportorthopädie, TU München. 12.04.2003

5 Siehe 1

 

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Zuletzt geändert: 20.10.2008

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