
Kreuzbandriss
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Die Diagnose ist gefürchtet. Durch verbesserte OP-Methoden, ausgeführt von versierten Chirurgen, hat sie jedoch ihren Schrecken verloren. Außerdem muss nicht jedes lädierte Kreuzband sofort ersetzt werden. Jedenfalls nicht beim Nicht- und Hobbysportler. Für Spitzensportler gelten andere Regeln.
(photocase.com © time2share)
Skifahren, Fußball, Bergsteigen oder einfach nur dumm gelaufen: Der Unterschenkel bleibt stehen, der Oberschenkel dreht sich – und schwupp, Kreuzband gerissen. So schnell kann das gehen. Meist treffen Verletzungen das vordere Kreuzband (VKB), da es dünner ist als das hintere Kreuzband (HKB).
Ist das vordere Band gerissen, wird das Knie instabil, es entsteht ein unsicheres Gefühl beim Stehen und Gehen. Und es entstehen unnatürliche Scherbewegungen der Gelenkflächen, die ihrerseits den Meniskus schädigen und viel zu früh eine Arthrose mit Schmerzen und dauerhaften Bewegungseinschränkungen auslösen.
Bei schweren Sportunfällen ist es häufig nicht nur das Kreuzband, das verletzt wird. Gleichzeitig können auch der innere Meniskus, der Knorpel und/oder das innere Seitenband betroffen sein. Das wiederum lässt sich nur mit professioneller Diagnostik feststellen. Beurteilt wird die Instabilität klassischerweise mit einer klinischen Untersuchung. Die MRT dient als wichtigstes bildgebendes Verfahren, um Begleitschäden aufzuspüren.
Und dann? Soll es sofort ein neues Kreuzband sein?
„Nein. Es besteht keine Notwendigkeit, Patienten akut zu operieren“, so Professor Karl P. Benedetto, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie, in einem Interview mit Jatros Unfallchirurgie & Sport-
traumatologie, Ende Dezember 2007.1
Laut Benedetto sollten Patienten mit gerissenem Kreuzband primär konservativ therapiert und mindestens ein Jahr lang kontrolliert werden, um zu beobachten, ob das Gelenk instabil wird. „Die Operation ist nicht zwingend erforderlich, eine konsequente konservative Therapie jedoch angezeigt“, so Benedetto und meint damit vor allem
Auch Dr. Richard Frobell von der Lund Universität in Südschweden plädiert dafür, in der Frühphase nur wenn unbedingt erforderlich zu operieren und lieber eine konsequente Rehabilitation durchzuführen.2 Der Grund: In den meisten Fällen sei nicht nur das Kreuzband beschädigt, sondern auch das Knochenmark, sodass es zu Einblutungen in den Knochen kommt. Der Schaden könne nicht einfach durch eine Kreuzband-Rekonstruktion behoben werden. Zunächst sei man zwar schnell wieder auf den Beinen, langfristig könne sich dieser Erfolg jedoch als Bumerang erweisen: Eine Kreuzband-Plastik verschlimmere die Situation insofern, als dass sich innerhalb eines Jahres der Knorpel verändere. Der Beginn einer Arthrose.
Die Entscheidung für eine Operation ist laut Benedetto abhängig von
Der Begriff Kreuzband-Plastik oder VKB-Plastik (Vorderes Kreuzband) kann irreführend sein. Gemeint ist damit kein künstliches Material, denn Kunstbänder haben sich als Ersatz nicht bewährt. Gemeint ist eher der „Modelliervorgang“, denn heute wird ein Transplantat eingesetzt, das vom Patienten selbst stammt. Verwendet werden
Für welches Transplantat sich der Chirurg entscheidet, hängt von vielen Faktoren ab:
Außerdem gibt es Unterschiede zwischen den Sehnen. Dennoch werden beide mit Erfolg und verschiedenen Techniken implantiert und auf unter-
schiedliche Art fixiert, zum Beispiel mit Bio-Schrauben oder Bio-Stiften oder speziellen Befestigungstechniken (Pressfitverfahren). Das gemeinsame Element ist, dass die Sehne durch Bohrkanäle im Knochen an die Stelle des ursprünglichen Kreuzbandes in das Gelenk eingezogen – und idealerweise so positioniert wird, wie es den natürlichen anatomischen Verhältnissen entspricht.
Bewährt haben sich zum einen abbaubare Schrauben oder Stifte, deren Material sich im Knochen nach einiger Zeit von selbst auflöst. Zunächst wird die neue Sehne mit den Schrauben/Stiften im Knochen fest ver-
ankert. Nachdem Sehne und Knochen miteinander verwachsen sind, werden die Schrauben/Stifte im normalen Stoffwechselprozess zu Kohlendioxyd und Wasser abgebaut. An ihrer Stelle hat sich Knochen-
gewebe gebildet, das mit der eingeschraubten Sehne verwachsen ist.
Hier wird die Befestigung der Sehne im Knochen ohne Schrauben gewährleistet: Ein Stück Sehne wird zusammen mit Knochenstückchen als Befestigung entnommen und exakt an die Ansatzstellen des gerissenen Kreuzbandes implantiert. Durch diese Art der Verankerung mit körpereigenem Material können die entnommenen Knochenstücke schnell in den umgebenden Knochen einwachsen.
Beide Verankerungen werden minimalinvasiv per Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durchgeführt, sodass auch kosmetisch ein gutes Ergebnis entsteht.
„Entscheidend für den Erfolg der Operation sind korrekte Bohrkanäle, gelenknahe Verankerungen und Pressfitverfahren, das heißt, es gilt einen möglichst engen Bohrkanal zu schaffen, der das Transplantat zur Gänze umschließt, gleichgültig, welche Sehne zur Anwendung kommt“, so Dr. Klaus Dann, Sporttraumatologe in Korneuburg bei Wien, auf dem Jahres-
treffen der Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin, 2006 in Zürs am Arlberg.3
Immerhin ist einer der häufigsten Gründe für eine Wiederholungsoperation (Revision) die falsche Platzierung des Transplantats. Ein weiterer: Die neue Sehne lockert sich bei zu aggressiver Nachbehandlung. Insgesamt wird die Revisionsrate mit zehn bis 20 Prozent angegeben.4
Gäbler, C.: Das Knie … ein multifunktionelles Laufwerkzeug, Orthopädie Laufsport, 06/2005, S. 19–21
Zimmer Germany: Kreuzbänder, Kreuzbandverletzungen und Kreuzband-
ersatz. Patienteninformation, 24.03.2005
____________________
1 Dominkus, C.: Das rupturierte vordere Kreuzband. Jatros Unfall-
chirurgie & Sporttraumatologie/universimed.com, 31.12.2007
2 Kreuzband-OP – Schaden ade? Orthopädie & Rheuma,
Newsletter 21.01.2008
3 Dann, K.: 9. Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische
Sportmedizin GOTS Jahrestreffen 2006, Zusammenfassung:
Update Kniegelenk. Sportmedizinische Aspekte des Knie-
gelenks. Zürs am Arlberg, 30.03 bis 02.04.2006
4 Siehe 1
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Zuletzt geändert: 20.10.2008
Meniskusverletzungen entstehen in
jedem Alter – akut bei Sportunfällen
oder langfristig durch Verschleiß.
Frauen sind anders. Frauenknie auch. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis man(n) das bei der Entwicklung von Kunstgelenken berücksichtigen würde.