
Berufskrankheit Kniearthrose?
| Diskutieren | Register |
Wer einen großen Teil seiner beruflichen Tätigkeit auf Knien ausübt – im Gleis- und Bergbau, als Fliesen- oder Parkettverleger, leidet später oft an einer Kniearthrose.
Ein ärztlicher Sachverständigenbeirat hat dem Bundesarbeitsminister deshalb im Oktober 2005 geraten, die Gonarthrose in die Verordnung für Berufskrankheiten aufzunehmen. Aktuell plädiert die Arbeitsmedizinerin Professor Gine Elsner von der Universität Frankfurt/M. dafür:1
Bei einer knienden Tätigkeit würde nicht nur der knorpelige Meniskus beeinträchtigt, sondern letztlich das gesamte Kniegelenk. Das folgert Elsner aus einer eigenen Studie, bei der 295 Patienten mit einer fortgeschrittenen Gonarthrose mit 328 Kontrollpersonen verglichen wurden. Im Ergebnis fand sich, dass die Gonarthrose-Patienten deutlich häufiger in ihrem Leben auf Knien, in der Hocke oder im Fersensitz gearbeitet hatten. 21 Prozent gaben an, mehr als 10.800 Stunden so gearbeitet zu haben, im Gegensatz zu nur rund fünf Prozent der gesunden Kontrollpersonen.
Würde die Gonarthrose als Berufskrankheit anerkannt, müssten die Renten und Heilmaßnahmen aus der Unfallversicherung bezahlt werden und gingen ausschließlich zu Lasten der Arbeitgeber. Der Widerstand ist naturgemäß groß.
"Die Regierung muss sich entscheiden, ob sie die Gonarthrose auch gegen den Widerstand der Berufsgenossenschaften in die Berufskrank-
heitenliste aufnimmt", meint Prof. Elsner und verweist auf das Nachbar-
land Dänemark. Dort kann eine Kniearthrose neuerdings als Berufs-
krankheit anerkannt werden. „In einem Europa, das zusammenwächst, müssen eines Tages auch die Sozialsysteme angeglichen werden“, gibt sie zu bedenken.
____________________
1 Hardy, A.: Krank durch knieende Tätigkeit?
Pressemitteilung der Johann Wolfgang Goethe-Universität
Frankfurt/M., Informationsdienst Wissenschaft, 07.01.2008
Zurück zu "Operationen am Knie" | Nach oben
Zuletzt geändert: 20.10.2008
Meniskusverletzungen entstehen in
jedem Alter – akut bei Sportunfällen
oder langfristig durch Verschleiß.
Frauen sind anders. Frauenknie auch. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis man(n) das bei der Entwicklung von Kunstgelenken berücksichtigen würde.