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Operation und Wechseloperation

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Operation und Wechseloperation: Nebenwirkungen und Risiken

Neben der Wahl des Implantats zählt die Operations-
technik zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren.

Vor der Operation wird Ihr Arzt anhand der Untersuchungsdaten und einem speziellen Röntgenbild eine Operationsplanung durchführen, bei der die Größe, Lage und Art der Fixierung des Implantats festgelegt und eine eventuell vorhandene Beinlängendifferenz mitberücksichtigt wird. Und dann?

Voll- oder Teilnarkose

Die Operation kann in Voll- oder Teilnarkose erfolgen. Beide Methoden unterbrechen die Schmerzweiterleitung, bei der ersten Methode kriegt der Patient gar nichts mit, bei der zweiten erhält er gegebenenfalls zusätzlich ein Beruhigungsmittel, kann die Operation verfolgen und dabei über Kopf-
hörer Musik hören. Was sich in Ihrem Fall empfiehlt, wird der Anästhesist mit Ihnen besprechen. Der gesamte Eingriff dauert in aller Regel ein bis zwei Stunden. Viele Patienten werden heute in Teilnarkose operiert.

Allgemeine und spezifischen Risiken

Neben den allgemeinen Risiken wie Blutergüssen, Infektionen, Allergien, Blutungen besteht die – bei geübten Operateuren seltene – Gefahr, dass Gefäße und Nerven verletzt werden, die sich in der Nähe des Gelenks befinden. Die sicherlich wichtigsten Komplikationen betreffen das neue Gelenk selbst: Es kann ausrenken oder sich viel zu früh lockern, was dann eine vorzeitige Wechseloperation (siehe unten) erforderlich macht.

Das Risiko für ein Blutgerinnsel in einer der großen Venen (Thrombose) hat sich im Vergleich zu früher deutlich verringert, was zum einen auf die vorbeugenden Injektionen mit gerinnungshemmenden Mitteln und zum anderen darauf zurückzuführen ist, dass auch beim Gelenkersatz immer häufiger minimalinvasive Operationstechniken zum Einsatz kommen. Der Patient verliert in aller Regel weniger Blut, hat nach der Operation geringere Schmerzen und ist schneller wieder belastbar und beweglich. Und Bewegung ist nun mal die beste Vorbeugung gegen Thrombosen.

Minimalinvasiv, computergestützt

Hinter dem Schlagwort minimalinvasiv verbirgt sich eine Methode, die mit kurzen Hautschnitten auskommt: bei der Hüftendoprothetik mit sechs bis zehn Zentimetern statt mit 15 bis 20 bei herkömmlicher Technik. Die ent-
scheidenden Vorteile liegen unter der Haut: Die Bänder und das um-
liegende Muskelgewebe werden stumpf gedehnt und beiseite geschoben, anstatt sie abzulösen. Die Implantation erfolgt ausschließlich durch die so entstandenen Lücken.

Allerdings ist die Sicht auf das Gelenk naturgemäß eingeschränkter als bei herkömmlichen Verfahren. Dieser Tatsache begegnet der – speziell trainierte – Operateur mit einem computergestützten Navigationssystem. Es liefert ihm wichtige Zusatzinformationen zur Anatomie des Patienten in einer virtuellen dreidimensionalen Rekonstruktion und unterstützt ihn bei der präzisen Platzierung des Implantats. Zur „Routenplanung“ vor dem Gelenkersatz liest der Operateur mit einem Pointer wichtige Punkte am Hüftgelenk ab. Die Informationen werden digitalisiert und auf einem Bildschirm dargestellt. Die Software des Navigationssystems errechnet den besten Zugang für das Kunstgelenk und ermöglicht aufgrund der Daten die korrekte Ausrichtung des Gelenks.

Wechseloperationen

„Eine Wechseloperation ist schwieriger als die erste Operation einer künstlichen Hüfte“, so Professor Alexander Wild, stellvertretender Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Leipzig.1 Der Grund: Sie geht an den Knochen.

Normal ist, dass im Laufe der Jahre Prothesenkomponenten verschleißen und/oder der Knochen abreibt. Nach wie vielen Jahren, hängt vom Patienten, der Operationstechnik und den verwendeten Materialien ab. Folgen: Die Prothese lockert sich, es kommt zu einem Knochenabbau um den Prothesenschaft oder die Hüftpfanne. Dass die Verschleißprodukte – zumindest beim Hamster – auch Entzündungen am Muskel-Skelett-
System hervorrufen können, hat der Orthopäde Dr. Clayton Kraft von der Universität Bonn 2003 in einer Studie veröffentlicht und ist dafür mit dem Wissenschaftspreis der Arbeitsgemeinschaft für Endoprothetik ausge-
zeichnet worden. Edelstahl-Abrieb ist demnach stärker entzündungs-
fördernd als Titan-Abrieb. Und: Auch eine permanente Entzündung kann die Prothese lockern.

Nicht normal ist, dass das Kunstgelenk – meist Schaft oder Pfanne – vorzeitig auslockert. Die Folgen sind dennoch die gleichen. In beiden Fällen muss nun gegebenenfalls mit Knochenersatz beziehungsweise Knochenaufbaumaterialien gearbeitet werden, um Oberschenkel- und Beckenknochen neu aufzubauen. Bei einer vorzeitigen Lockerung ist es deshalb wichtig, den frühesten Zeitpunkt zu erkennen, damit möglichst viel unversehrter Knochen zur Verankerung bleibt.

Das Thema Wechseloperation stellt sich insbesondere für jüngere Patienten, da sie aufgrund ihres Alters nicht davon ausgehen können, dass die erste Prothese ein Leben lang hält. Eine sogenannte Revisions-
prothese wird mit einer statistischen Häufigkeit von 0,5 bis 1 Prozent/Jahr notwendig. Das bedeutet, dass nach zehn bis 15 Jahren noch 85 bis 95 Prozent der Prothesensysteme gut funktionieren.2

Dennoch ist die Anzahl der Wechseloperationen begrenzt: „Spätestens die vierte wird sehr schwierig“, so Professor Wild.3 Und: Zweit- oder Drittimplantate haben durchschnittlich vier bis sechs Jahre kürzere Standzeiten als Erstimplantate.4

 

Quellen:

Endoportal.de: Operative Therapie der Arthrose. Interview mit Dr. Gunnar Sax. Presseinformation

Ruhruniversität Bochum: Hüftgelenksoperation durchs Schlüsselloch.
1. Anatomie-Workshop mit innovativen Implantationstechniken. Pressmitteilung Nr. 22, 21.01.2005

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Gefährlicher Prothesen-
abrieb. Beim Verschleiß von Implantaten entstehen Substanzen, die Entzündungen hervorrufen können. Presseinformation, 17.12.2004

Universität Leipzig, Medizinische Fakultät: Künstliches Hüftgelenk
– je später, desto besser. Patienteninformation

Zimmer Germany GmbH: Hintergrundinformation, 2007

 

____________________

1 Künstliches Hüftgelenk: Je später, desto besser. Hochschul-
   medizin Leipzig, Patienteninformation

2 Zimmer Germany, Hintergrundinformation, 2007

3 Künstliches Hüftgelenk: Je später, desto besser.
   Hochschulmedizin Leipzig, Patienteninformation

4 Glozbach, D.: Standzeitverkürzende Patientencharakteristika und
   Protheseneigenschaften von aseptisch gelockerten Hüftendo-
   prothesen. Von der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen
   genehmigte Dissertation. Saarbrücken, 2004

 

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Zuletzt geändert: 20.10.2008

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