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Rheumatischer Formenkreis

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Rheumatischer Formenkreis: Einige hundert Diagnosen

Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes werden auch unter dem Begriff Rheumatischer Formenkreis zusammengefasst.

Die aktuelle Internationale Klassifikation von Krankheiten ICD 101 unterteilt Erkrankungen des Bewegungssystems in Krankheiten des Muskel-
Skelett-Systems und des Bindegewebes. Das sind

  • Erkrankungen des Bindegewebes
  • Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückens
  • Erkrankungen der Weichteilgewebe
  • Erkrankungen der Knochen und Knorpel

Diese Oberbegriffe werden auch unter dem Dach des Rheumatischen Formenkreises zusammengefasst, schließen einige hundert Diagnosen und damit eine Vielzahl von zum Teil sehr unterschiedlich verlaufenden Erkrankungen ein, in die je nach Verlauf verschiedene Spezialisten eingebunden werden. Neben den

  • angeborenen und erworbenen Fehlstellungen,
  • posttraumatischen Schäden,
  • zahlreichen degenerativen Erkrankungen (einschließlich Stoffwechselstörungen im Knochen- und Bindegewebe),
  • Störungen der Haltungs- und Bewegungsorgane,
  • akuten funktionellen Erkrankungen,

gibt es den Bereich der

  • entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.

Die allgemein gebräuchliche Formulierung Rheuma umfasst somit heute die gesamte Orthopädie einschließlich der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, die etwa zehn Prozent ausmachen.

"Rheuma"

Der Begriff Rheuma kommt aus dem Griechischen und bedeutet „ziehender, reißender“ Schmerz. Speziell die entzündlichen Rheumaformen verlaufen meist schubweise und schreiten mehr oder minder langsam voran. Es handelt sich um Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems, der Blutgefäße oder des Bindegewebes mit zum Teil schweren Organbeteiligungen, die unbehandelt zu massiven Organschäden und bis zum Tod führen können.

Ein Teil der Erkrankungen, zum Beispiel rheumatische Erkrankungen bei Kindern wie die Juvenile idiopathische Arthritis (JIA), kommen nur selten vor – in Deutschland sind derzeit circa 15.000 Kinder betroffen. Dagegen zählen andere rheumatische Erkrankungen, wie die Arthrosen oder die Rheumatoide Arthritis, zu den häufigsten Erkrankungen des Rheuma-
tischen Formenkreises. In beiden Fällen sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Weitere häufige Krankheiten sind Morbus Bechterew, nicht-entzündliche Erkrankungen der Wirbelsäule sowie Fibromyalgie.

Zwischen neun und 20 Millionen

Wie viele Menschen in Deutschland zumindest einmal im Leben von einer Erkrankung des Rheumatischen Formenkreises betroffen sind, darüber lässt sich nur spekulieren. Während die Deutsche Rheuma-Liga e.V. zum Welt-Rheuma-Tag 2007 mehr als 9,5 Millionen Betroffene angibt, sind es auf rheuma-info.de des Pharmariesen Pfizer rund 20 Millionen – also ein gutes Viertel der Bevölkerung.

Irgendwo dazwischen wird´s passen, zumal aktuelle Hochrechnungen von etwa acht Millionen Arthrotikern und etwa sieben Millionen Osteo-
porotikern ausgehen. Nach Schätzungen wird sich die Zahl der Osteoporotiker in den nächsten 20 Jahren verdoppeln.

Unabhängig davon scheint generell zu gelten: Viele Rheuma-Betroffene leiden unnötig und nehmen irreparable Zerstörungen der Gelenke in Kauf. Sie erhalten keine klare Diagnose, werden gar nicht oder zu spät zum Facharzt verwiesen.

Von Arzt zu Arzt

„Patienten berichten davon, dass sie eine Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich bringen müssen, um Hilfe zu bekommen“, heißt es im Kompetenzzentrum Bewegungssystem der Medizinischen Hochschule Hannover.

Mit anderen Worten: Vom Zeitpunkt erster Symptome bis zur Diagnosestellung vergehen ungefähr 18 Monate. Das kann drastische Folgen für Patienten haben, denn gerade bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Morbus Bechterew sind eine möglichst frühe Diagnose und darauf aufbauend eine angemessene Therapie besonders wichtig, um ein Fortschreiten der Krankheit zu bremsen oder ganz zu verhindern.

„Meine Hoffnung ist, dass die Rheumatologie insgesamt mehr öffentliche Aufmerksamkeit erfährt und dass die Betroffenen so schneller eine Diagnose erhalten und behandelt werden können. Nur so lässt sich verhindern, dass die Erkrankung das Leben in dem Maße dominiert, dass man seinen Beruf einschränken oder gar aufgeben muss.“ Mit diesen Worten wird Dr. Brigitte Krummel-Lorenz, Rheumatologin in Frankfurt am Main, in der Broschüre Starke Frauen, voll im Leben zitiert.

 

Quellen:

Deutsche Rheuma-Liga e.V.

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.: Starke Frauen,
voll im Leben. Leben mit Rheumatoider Arthritis, 2006

Medizinische Hochschule Hannover

Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR): Reha-Kommission

 

____________________ 

1 International Classification of Diseases, ICD-10-GM
   Version 2008

 

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Zuletzt geändert: 20.10.2008

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