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Bandscheibenvorfall

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Bild zum Thema Orthopädie, Bandscheiben-OP, Bandscheibenvorfall

(photocase.com © le0horge)

Bandscheibenvorfall: Am häufigsten Männer

Manchmal fängt es mit leicht ziehenden Schmerzen im Rücken an, manchmal geht von einem Augenblick zum anderen nichts mehr: Bandscheibenvorfall. Und nun? Und: Wie das?

Die Welt der Bandscheibe besteht aus einem weichen, wasserreichen, gallertartigen Kern (Nucleus pulposus), der von einem festen Faserring umgeben ist. Mit den Jahren altert auch der Gallertkern und trocknet aus, von mehr als 90 Prozent Wasser in jungen Jahren bleibt immer weniger – sofern die Bandscheibe in Form von vielseitiger Bewegung und Ernährung nicht gut genährt wurde. Sollten Sie sich je gefragt haben, warum der Mensch im Alter schrumpft – daran liegt´s: Je trockener und somit flacher die Bandscheiben, je geringer der Abstand zwischen den Wirbeln.

Als weiteres Zeichen der Zeit zeigen sich im Faserring kleine Risse, die sich langfristig vertiefen können. Bei permanenter Belastung kann sich die Bandscheibe verformen und der Faserring ausweiten. Wölbt dieser sich über die Grenze des Wirbelkörpers hinaus ohne zu reißen, haben Sie es mit einer Vorwölbung (Protrusion) der Bandscheibe zu tun. Richtig unangenehm kann es werden, wenn Bandscheibengewebe in die Risse des Faserrings eindringt, diesen durchbricht und schließlich „vorfällt“ – entweder

  • nach vorn zum Bauch hin, was meist keine Schmerzen auslöst, da es dem Bereich keine schmerzfähigen Strukturen (Nerven) gibt;
  • nach hinten in den Rückenmarkskanal (Spinalkanal), wodurch jene Nervenhaut gequetscht wird, die das Rückenmark und die Nerven-
    fasern umgibt;
  • nach hinten-seitlich auf die Nervenwurzel.

Es kann auch passieren, dass sich der Vorfall komplett von der Band-
scheibe löst, sodass keine Verbindung mehr zwischen Bandscheibe und ausgetretenem Gewebe besteht. Sowohl Vorwölbungen als auch Vorfälle können, man glaubt es kaum, schmerzfrei und symptomlos verlaufen. Meist werden jedoch die empfindlichen Nerven zwischen den Wirbeln schmerzhaft gereizt oder komprimiert.

Ruckartige Drehbewegung

Diesen Albtraum erleben in Deutschland jedes Jahr rund 800.000 Menschen zwischen 30 und 60,1 am häufigsten Männer zwischen 35 und 45 Jahren.2 Die markantesten Auslöser sind eine ruckartige Dreh-
bewegung des Rumpfes (z.B. beim Golfen) und schweres Heben/Tragen – jeweils auf Basis einer schwächelnden Rückenmuskulatur beziehungs-
weise eines nicht mehr intakten Bandscheibengewebes.

Bei diesen Prozessen sind neben dem gewöhnlichen Alterungsprozess der Wirbelsäule in aller Regel genetische, anatomische, biologische (z.B. hormonelle, vor allem bei Frauen) und soziale Faktoren beteiligt. Fast immer ist der Rücken auch das Schlachtfeld der Seele, 50 Prozent aller Rückenschmerzen sind psychisch bedingt:

  • Bewegungsmangel,
  • SitzenSitzenSitzen,
  • Übergewicht,
  • Fehlhaltungen und/oder einseitige Belastungen

lassen in Verbindung mit psychischen oder sozialen Faktoren – zum Beispiel ängstliches Vermeiden von Bewegungen, Depressivität/
Depression, Probleme am Arbeitsplatz, finanzielle Sorgen – auch die Rückenmuskulatur langsam, aber sicher verspannen beziehungs-
weise verhärten, was das Risiko für eine lang anhaltende Chronifizierung oder schwere Behinderung erhöht.

Heftiger Schmerz

Der Bandscheibenvorfall ist geprägt von zum Teil heftigen Schmerzen, die nicht nur im Bereich des betroffenen Nervs empfunden werden, sie können auch in das gesamte Ausbreitungsareal des Nervs ausstrahlen. Die Schmerzart kann einen Hinweis darauf geben, welches Segment der Wirbelsäule betroffen ist. Beispiele:

  • Ist die Halswirbelsäule betroffen, können Kopfschmerzen, Kribbeln entlang der Arme bis in die Fingerspitzen („Ameisenlaufen“), Schmerzen im Schulter-Nackenbereich, Kraftminderung der Arme oder Bewegungseinschränkungen der Arme folgen.
  • Ist die Brustwirbelsäule betroffen, kommt es häufig zu Schmerzen im Brustkorb, die nicht selten als Herzschmerzen fehlinterpretiert werden.
  • Ist die Lendenwirbelsäule betroffen, folgen Kreuzschmerzen, Taub-
    heitsgefühle im Gesäß und in Teilen der Beine sowie ausstrahlende Schmerzen in die Beine, oft verbunden mit Koordinationsstörungen oder Lähmungen einzelner Muskelgruppen. So ist es möglich, dass Sie nicht mehr auf den Zehenspitzen stehen können. In schweren Fällen kommt es zu Entleerungsstörungen von Blase und Darm.

Die menschliche Wirbelsäule hat nur fünf Lendenwirbel. Dennoch stellt dieser untere Teil des Rückgrats die anfälligste Partie dar, da sie die Basis des Oberkörpers bildet und als solche durch den aufrechten Gang extremer Belastung unterliegt. Entsprechend treten Bandscheibenvorfälle am häufigsten im Lendenbereich auf, vor alle zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel sowie zwischen dem 5. Lendenwirbel und Kreuzbein.

 

Quelle:

Deutscher Schmerztag 2003, Frankfurt/Main

Kleines Rückenlexikon: Die Welt der Wirbel von A bis Z. Presse-
information, Praxis Dr. Schneiderhan und Kollegen, München, 15.07.2007

 

____________________

1 Die zweite Bandscheibe. Bandscheibenvorfall und andere
   degenerative Wirbelsäulenerkrankungen. action-meditech.de:
   Hintergrundinformation, März 2007

2 Zentrum für Molekulare Orthopädie: Vorteil von
   Bandscheiben-Operationen nicht belegt. Pressemitteilung,
   Informationsdienst Wissenschaft, 25.10.2007

 

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Zuletzt geändert: 20.10.2008

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