
Wege in der Arthrosetherapie
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„In Deutschland liegen europäische und amerikanische Richtlinien zur Arthrosetherapie vor, finden aber bisher unzureichende Umsetzung im medizinischen Alltag.“
So formulierte es Professor Josef Zacher, Chefarzt der Klinik für Orthopädie am Helios-Klinikum Berlin-Buch, auf dem Welt-Rheuma-Tag 2007 in Berlin.1 „Und keiner prüft, ob sie eingehalten werden“, ergänzte Rotraut Schmale-Grede, Vizepräsidentin der Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband e.V.
Zacher gab einen kritischen Überblick zu den derzeitigen Wegen in der Arthrosetherapie. Schmale-Grede wies auf die Schwachstellen in der Versorgung hin. Aus beiden Statements einige Auszüge:
der Arthrose gibt es bis auf wenige Ausnahmen – Gelenkfehlstellungen, Stoffwechselerkrankungen – nicht. (Zacher)
„So wird bislang notgedrungen lediglich an den Symptomen herum-
gedoktert“. (Schmale-Grede)
werden anfangs durch geringere Gelenkbelastung (z.B. Benutzen eines Gehstocks) sowie regelmäßige Krankengymnastik behandelt. Diese sollte unter Anleitung erlernt und kann später eigenständig beziehungsweise in Gruppen durchgeführt werden.
„Arthrosekranke Gelenke brauchen Bewegung ohne zu große Belastung. Die richtigen Sport- oder Bewegungselemente in den eigenen Alltag einzubauen ist ein wichtiger, erster Schritt.“
die auch die Gelenkfunktion verbessern, werden vor allem bei stärkeren, anhaltenden oder dauerhaften Schmerzen eingesetzt. Für die Therapie mit Cortison beziehungsweise Hyaluronsäure gilt, dass sie sich bezüglich Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung mit der medikamentösen Therapie vergleichen lassen. Bisher konnte noch für kein Therapie-
verfahren schlüssig nachgewiesen werden, dass es das Fortschreiten einer Arthrose aufhalten oder gar rückgängig machen kann.
Bei medikamentösen Therapien besteht das Problem, dass Arthrose-
patienten Begleiterkrankungen haben, die zu Komplikationen führen können, beispielsweise im Magen-Darmtrakt oder am Herzen. Deshalb können sie diese Medikamente nicht oder nur unter Risiken einnehmen. Hier kann durch Funktionstraining oder andere physikalische Maßnahmen eine durchaus adäquate Schmerzbehandlung als risikominimierende Alternative in Frage kommen.
„Mit Spannung erwarten wir die neuen Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission zum Jahresende, die sich unter anderem mit den Nebenwirkungen von Rheumaschmerzmitteln (Herz-Kreislauf- und Schlaganfallgefährdung) befasst und zur Wirksamkeit umstrittener Präparate Stellung nehmen wird.“
werden häufig zur Behandlung dieser chronischen Erkrankungen eingesetzt. Wichtig erscheint der Hinweis, dass bei Leistungen in der Regel die Wirksamkeit nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist oder unter Berücksichtigung der eher geringen Wirksamkeit das Kosten-
Nutzen-Verhältnis eine wirtschaftliche Behandlung nicht zulässt.
„Hier sollte man sich gut beraten lassen, bevor man ins eigene Portemonnaie greift. Oft hilft schon ein Anruf bei der Krankenkasse. Auch der Austausch in Selbsthilfegruppen erweist sich als hilfreich.“
Ob Arthroskopien bei der Arthrose (vor allem des Kniegelenks) wirklich helfen, wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Es scheint, als würden nur die Patienten mit deutlichen Meniskusschäden wirklich davon profitieren. Für eine rein diagnostische Arthroskopie scheint es wegen der guten Bildgebung durch eine Kernspintomographie keine Indikation mehr zu geben.
„Die Arthroskopie ist ein beliebtes therapeutisches Verfahren, um das Gelenk auf Knorpelschäden zu untersuchen und Verletzungen zu behandeln. Aus unserer Sicht muss vor allem eine klare Indikations-
stellung für die ambulante oder stationäre Arthroskopie erfolgen, sodass Fehl- und Unterversorgung wie auch überflüssige Eingriffe vermieden werden.“
Durch den künstlichen Ersatz eines Gelenks kann Patienten mit weit fortgeschrittener Zerstörung des Gelenkknorpels und erheblicher Beeinträchtigung durch Schmerzen geholfen werden. Vor allem durch künstliche Hüft- und Kniegelenke ist mit hoher Zuverlässigkeit eine erhebliche Verbesserung von Schmerz und Funktion zu erzielen. Standardprothesen haben die besten Ergebnisse, neue und scheinbar innovative Behandlungsverfahren müssen ihre Gleichwertigkeit oder die postulierte Überlegenheit erst nachweisen. Komplikationen sind nach derartigen Operationen nicht ausgeschlossen.
„Um die Qualität von Endoprothesen transparent zu machen, fordern die Fachgesellschaften seit langem die Einführung eines Endoprothesen-
Registers nach dem schwedischen Modell. Im Klartext: Es werden auch schon mal künstliche Hüften implantiert – mit allen Risiken, die eine OP in sich birgt –, möglicherweise, ohne dass eine ausreichende Notwendigkeit dafür besteht. Laut BQS-Qualitätsreport2 2006 besteht hier dringender Klärungsbedarf."
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1 Zacher, J.: Krankheitsbild Arthrose und Wege der Therapie.
Pressekonferenz zum Welt-Rheuma-Tag, Berlin, 9.10.2007
2 Qualitätsberichte der Krankenhäuser nach standardisierten
Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses
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Zuletzt geändert: 20.10.2008
Sind es bereits Anzeichen einer Arthrose, wenn man nach längerem Sitzen mit einem stechenden Schmerz im Kniegelenk aufsteht? Oder wenn während des Trainings die Schulter-
gelenke knirschen?
Wer rastet, rostet: Dieses Motto gilt bei Arthrosen besonders, da wirkliche Heilung nicht in Sicht ist.
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