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(photocase.com © peterblau)
Wer rastet, rostet: Dieses Motto gilt bei Arthrosen besonders, da wirkliche Heilung nicht in Sicht ist.
Lebensqualität wird zu einem großen Teil über die Beweglichkeit definiert. Auch wenn die Medizinforschung sich müht, Lösungen für den gestressten Gelenkknorpel zu finden – wirkliche Heilung ist für Arthrose-
Patienten nicht in Sicht. Dennoch muss niemand wegen einer Arthrose allen Lebensmut verlieren. Es gibt für jedes Stadium einen individuellen Ansatz und entsprechend vielfältige Möglichkeiten, um Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.
„Mit Hilfe der Kernspintomographie kann eine Arthrose heute schon sehr früh diagnostiziert werden“, so Professor Michael Mayer, Geschäfts-
führender Ärztlicher Direktor des Orthozentrums München, gegenüber der VdK-Zeitung.1 „Man kann bis zu einem gewissen Grad gut mit Arthrose leben. Viele sind weit davon entfernt, dauerhaft Medikamente zu nehmen oder unters Messer zu müssen.“
Allerdings kann der Schmerz das seelische und körperliche Befinden auch so beeinflussen, dass Depression und Regungslosigkeit das Dasein beherrschen. Der Teufelskreis, der dazu führen kann, sieht so aus:
Ohne aufwendiges Behandlungskonzept mit medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen – mit physikalischen Therapien wie Bädern, Massagen, Ergotherapie; mit Patientenschulung sowie gelenkerhaltenden Maßnahmen wie Bewegung, Gymnastik und Ernährungsumstellung – ist die Beweglichkeit dann häufig nicht zu retten.
Deshalb gilt: Früher ist besser. Bewegungsprogramme, die die Muskulatur stärken und die Betroffene nach Anleitung zu Hause allein durchführen können, sind eine sehr effektive erste Behandlungsform und außerdem kostensparend. Bewegung schützt nicht nur vor einer Gelenkerkrankung, auch bei der Behandlung einer bestehenden Arthrose ist sie von entscheidender Bedeutung – sofern berücksichtigt wird, dass sie das Gelenk nicht überbelastet.
Wer sportliche Leistung nicht sanft steigert, sondern zum Beispiel mit stundenlangen Wanderungen die Gelenke belastet, wird das schmerzhaft spüren. Bewegung schützt nicht nur vor einer Gelenkerkrankung, auch bei der Behandlung einer bestehenden Arthrose ist sie von entscheidender Bedeutung – sofern berücksichtigt wird, dass sie das Gelenk nicht überbelastet.
Wichtig ist, dass die Behandlung in einem frühen Stadium beginnt, denn regelmäßiges Training hält den Gelenkstoffwechsel in Schwung, entlastet die Gelenke auf natürliche Art, verzögert den Krankheitsverlauf und wirkt schmerzlindernd.2 Antirheumatika und Schmerzmittel durchbrechen hier den Teufelskreis nicht wirklich, sondern können im Gegenteil Inaktivität und Muskelatrophie noch begünstigen.
Die vorrangigen Ziele bei den ambulanten kurativen Maßnahmen lauten deshalb: Muskeln kräftigen und ihre Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung sowie die Dehnbarkeit erhöhen.
Innerhalb weniger Wochen wird
kurz: die „Alltagstauglichkeit“ erhöht sich deutlich. Welche Sportart individuell am besten ist, lässt sich oft nur durch Ausprobieren herausfinden und sollte abhängig vom aktuellen Beschwerdebild verändert werden.
„Ein Patient kann auf die gleiche Belastung, die sich zunächst positiv auf seine Gelenke auswirkt, zu einem anderen Zeitpunkt mit Schmerzen, Entzündung und Degeneration reagieren“, so Professor Jürgen Freiwald, Sportwissenschaftler an der Universität Wuppertal, gegenüber der Ärzte-Zeitung.3
Allgemein wird in Verbindung mit Funktionsgymnastik aber gern zu den klassischen Ausdauersportarten geraten, vor allem zu Aquafitness und Aquajogging, (Rücken)Schwimmen und Kraulen (für alle, die Wirbel-
säulenprobleme haben), Radfahren, Walking, Inline-Skating, Wandern und Skilanglauf (Vorsicht: Sturzgefahr bei Unerfahrenen). Und, so Professor Freiwald: Bevor man Patienten von ihrem Lieblingssport abrät – etwa Golf oder Kegeln wegen Rücken- oder Kniebeschwerden –, sollte überlegt werden, wie er sich gelenkschonender betreiben lässt.
Sportmedizinisch sinnvoll erscheint eine Frequenz von zwei- bis dreimal pro Woche.
Eher ungünstig sind Joggen (ist in manchen Fällen möglich, dann aber nur auf weichem Boden und mit guten Schuhen), Sprung- und Schnellkraft-
disziplinen, Ski alpin, Tennis, Ballspiele. Grund: Die Verletzungsanfälligkeit erhöht sich durch Belastungen mit sehr hohen Druckspitzen (z.B. bei Sprüngen), direkten Druckbelastungen (z.B. der Knie bei Kniegelenks-
arthrose), wiederkehrenden hohen Belastungen, Scher- und Drehkräften (z. B. bei schnellen Drehungen).
Wer schmerzfrei ist, braucht keine Angst vor Bewegung zu haben. Daher ist auch eine angemessene Schmerzbehandlung, besonders bei neu auftretenden akuten Beschwerden, eine wichtige Voraussetzung für die Vermeidung langer Leidenswege. Ob Schmerzen chronisch werden oder nicht, hängt entscheidend von der Erstbehandlung ab. Entsprechend geht es in der medikamentösen Schmerztherapie um Fragen wie „Was ist akuter und chronischer Schmerz?“ und „Wie funktioniert Schmerz-
verarbeitung im zentralen Nervensystem?“
Bei der Auswahl des passenden Medikaments spielt auch die Zeitachse eine wichtige Rolle. Schmerzen, die erst seit kurzem bestehen, müssen anders behandelt werden als Schmerzen, die länger anhalten. Medikamentöse Behandlung bei Bewegungsschmerz ist eine Kunst, sie gehört in die Hände eines Spezialisten. Nur eine differenzierte, auf den Einzelnen abgestimmte Therapie hilft.
Für Übergewichtige lohnt es sich allemal abzunehmen, denn wer zu viele Kilo mit sich herumschleppt, hat oft auch kaputte Gelenke. Übergewicht ist der wichtigste Risikofaktor für eine Arthrose. Eine 2006 vorgestellte Analyse der TU Dresden von Studien, die zwischen 1975 und 2004 veröffentlicht worden sind, hat ergeben: Ihre Knie- und Fingergelenke werden Ihnen jedes Kilo weniger damit danken, dass sie weniger Arthrose-gefährdet sind.4 Vor dem Hintergrund gilt die wachsende Zahl von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen als besorgniserregend.
Eine Ernährung bei Rheuma, die wissenschaftlichen Anforderungen genügt, ist arm an Arachidonsäure (enthalten in fettigen tierischen Lebensmitteln wie Sahne, Schweineschmalz, Kotelett sowie der Haut von Geflügel steckt) und reich an Eicosapentaensäure (EPA), einer speziellen Variante der Omega-3-Fettsäuren. Besonders reich an EPA sind frei lebende, fettreiche Fischarten, zum Beispiel Lachs, Makrele und Hering. Auch Antioxidantien (Vitamine A, C, E, Beta-Carotin), Selen, Zink und Eisen spielen eine wichtige Rolle.

(photocase.com © kaffeetrinken)
Erheblich unterstützt wird die Behandlung durch psychotherapeutische Verfahren, Entspannungsverfahren, Techniken zur Schmerz-
verarbeitung. Auch Akupunktur kann bei Arthrosen die Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern.
Im Mittelpunkt der Physiotherapie – mit Gymnastik, Massagen, Bädern, Packungen – steht nicht nur das Bewegungssystem mit dem Ziel Schmerzfreiheit. Es können auch Funktionsstörungen innerer Organe beeinflusst werden sowie die psychische Leistungsfähigkeit. Weitere Ziele bestehen darin, die Eigenständigkeit des Patienten zu fördern und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
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1 Dachs, P. für Sozialverband VdK Deutschland; VdK-Zeitung:
Interview: Aktiv bleiben trotz Arthrose. September 2007
2 Ärzte-Zeitung, 26.05.2005: Bewegung hält auch entzündete
Gelenke in Schwung
3 Ebda.
4 Groß, A. F.; Günther, K. P.: Metaanalyse zum Zusammenhang
zwischen Übergewicht und Arthrose. Zeitschrift f. Orthopädie,
Ihre Grenzgebiete, 144, Seite 127 – 129, 2006
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Zuletzt geändert: 20.10.2008
Sind es bereits Anzeichen einer Arthrose, wenn man nach längerem Sitzen mit einem stechenden Schmerz im Kniegelenk aufsteht? Oder wenn während des Trainings die Schulter-
gelenke knirschen?
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