
Arthrosen
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(photocase.com © Juttaschnecke)
Jeder Schritt schmerzt, jede Bewegung wird zur Qual. Glaubt man den Statistiken, sind hierzulande bei fünf bis 8,5 Millionen Menschen kaputte Gelenke verantwortlich für den Verlust von Lebensqualität. Nur ein individueller Behandlungsplan mit vielen Bausteinen durchbricht den Teufelskreis aus Schmerz, Bewegungsmangel, Verkümmerung. Medikamente allein schaffen das nicht.
Ab dem 30. Lebensjahr soll es keinen Menschen mehr geben, der nicht mindestens ein kaputtes Gelenk hat. „Das heißt aber nicht, dass auch jeder Mensch von Schmerzen geplagt ist. Verschleißerkrankungen im Gelenk laufen oft eine Zeit lang klinisch stumm ab“, so Professor Michael Mayer, Geschäftsführender Ärztlicher Direktor des Orthozentrums München, gegenüber der VdK-Zeitung.1
Zwischen Fünfzig und Sechzig geht es dann langsam los. Diese Zeit gilt als Schlüsseljahrzehnt für schmerzhafte Veränderungen, die zu einem hohen Anteil für Bewegungseinschränkungen und den Verlust von Lebensqualität verantwortlich sind. Betreffen die Veränderungen den Knorpel zwischen den Gelenken, spricht man von einer Arthrose oder Osteoarthrose.
Arthrosen sind die häufigsten Erkrankungen des rheumatischen Formen-
kreises, bevorzugt betroffen sind jene Knochen- und Gelenkpartien, die im täglichen Leben den größten Beanspruchungen und Belastungen ausgesetzt sind: Wirbelsäule, Knie, Finger- und Handgelenke, Hüften, Sprunggelenk, Schultern. Eine Arthrose kann aber auch an jedem anderen Gelenk auftreten.
In Deutschland sollen zwischen fünf und 8,5 Menschen betroffen sein. Die erste Zahl wurde von der Deutschen Rheuma-Liga zum Welt-
Rheuma-Tag 2007 genannt. Die zweite Zahl ergibt sich, wenn die Ergebnisse der 2005 gestarteten Herner Arthrose Studie (HER-AS)2 auf ganz Deutschland übertragen werden. Basis der groß angelegten Untersuchung ist die Auswertung eines international standardisierten Fragebogens von 5000 über 40-jährigen Einwohnern der Stadt Herne. Die Studie ist deshalb von Bedeutung, weil erstmals für Deutschland ver-
wertbare Daten zur aktuellen Krankheitssituation bei Bewegungsschmerz und zum Krankheitswissen der Betroffenen dargestellt werden sollen.
Und warum Herne? „Herne repräsentiert sehr gut den Durchschnitt der deutschen Bevölkerung“, erklärte der Studienleiter, Professor Ludger Pientka, Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation der Ruhr-Universität Bochum, Marienhospital Herne, zum Studienstart. Bereits erste Zwischenergebnisse machen den Stellenwert der Arthrosen deutlich:
Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, Gelenkschmerzen zu haben. Zwei von drei hatten in den vergangenen vier Wochen Schmerzen, 71 Prozent in den zurückliegenden zwölf Monaten. Selbst in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen klagten zwei von fünf der Befragten über Bewegungsschmerzen.
In allen Altersgruppen waren Frauen häufiger betroffen – im Schnitt zehn Prozent mehr Frauen als Männer, da hormonelle Faktoren vor, während und nach der Menopause Verschleißprozesse noch beschleunigen.
Als Problemgelenk Nummer eins bezeichnete etwa ein Drittel das Kniegelenk, 18 Prozent das Hüftgelenk. Das Ergebnis ist besonders alarmierend, da bei vollständig abgenutztem Knorpel nur noch der Gelenkersatz Schmerzen und Funktion verbessern.
Jeder vierte Studienteilnehmer gab an, nur unter starken Schmerzen auf Ebenen gehen zu können, jeder fünfte klagte über Schmerzen beim Stehen. Die Tendenz zum Rückzug aus dem sozialen Leben ist groß.
Ein Fünftel fühlt sich selbst bei leichten Hausarbeiten beeinträchtigt. 85 Prozent der Patienten mit Kniebeschwerden können sich Socken nur mit Mühe oder gar nicht an- und ausziehen, etwa die Hälfte kann sich nur unter Schmerzen setzen und wieder aufstehen.
In der Tat zählen Knie- und Hüftgelenksarthrosen zu den zehn häufigsten Erkrankungen in der orthopädischen Praxis. Bei stationären Aufenthalten gehören sie immerhin zu den 30 häufigsten Einzeldiagnosen. Wen wundert es da, dass sie einen erheblichen Anteil aller Arbeitsunfähigkeiten, Frühberentungen und Rehabilitationen bedingen und deshalb auch volkswirtschaftlich zu den bedeutenden chronischen Krankheiten gehören.
„2006 wurden durch die Deutsche Rentenversicherung 8200 Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aufgrund arthrotischer Krankheiten ausgesprochen“, sagte Dr. Axel Reimann, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund, anlässlich des Welt-Rheuma-Tages, der im Oktober 2007 in Berlin stattfand. Das entspreche, so Reimann, 5,2 Prozent aller Erwerbsminderungsrenten. Damit beruhe mehr als jede 20. Frührente auf der Diagnose einer Arthrose. Das Durchschnittsalter der Betroffenen habe 54,2 Jahre betragen.
Jede orthopädisch-rheumatologische Klinik oder Fachabteilung, jeder niedergelassene Internist mit Schwerpunkt Rheumatologie und jeder Orthopäde stehen als professionelle Ansprechpartner für die Behandlung der Arthrosen zur Verfügung. Im Internet:
Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V.: bvou.net
Das Deutsche Rheumahaus: rheumanet.org
Deutsche Rheuma-Liga e.V.: rheuma-liga.de
Deutsche Schmerzhilfe e.V.: schmerzhilfe.org
Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie: agkjr.de
Vereinigung für Kinderorthopädie: kinderorthopaedie.org
Gesundheitsbericht der Bundesregierung 2006
Initiative gegen den Schmerz
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1 Dachs, P., für den Sozialverband VdK Deutschland; VdK-Zeitung:
Aktiv bleiben trotz Arthrose. September 2007
2 Die Herner Arthrose Studie wird an der Klinik für Altersmedizin
und Frührehabilitation der Ruhr-Universität Bochum,
Marienhospital Herne, im Auftrag der Initiative Stark gegen den
Schmerz durchgeführt
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Zuletzt geändert: 20.10.2008
Sind es bereits Anzeichen einer Arthrose, wenn man nach längerem Sitzen mit einem stechenden Schmerz im Kniegelenk aufsteht? Oder wenn während des Trainings die Schulter-
gelenke knirschen?
Wer rastet, rostet: Dieses Motto gilt bei Arthrosen besonders, da wirkliche Heilung nicht in Sicht ist.
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