
Zeitzonen
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(photocase.com © Thomas K/Dragon30/unseen)
Die Wechseljahre sind ein fester Bestandteil des Alterungsprozesses. Allerdings nur des weiblichen. Männer kommen auch in die Jahre, aber nicht in die Wechseljahre.
Selbst wenn beim Mann mit den Jahren der Testosteronspiegel absinkt, so hat er doch in aller Regel bis ins hohe Alter genug im Blut und bleibt unter Umständen seeehr lange zeugungsfähig. Ihm fehlt ein Meilenstein wie die Menopause der Frau, die ihre Fruchtbarkeit auf etwa 40 Jahre begrenzt. Einer der vielen kleinen Unterschiede.
„Männer kommen nicht in die Wechseljahre – die Vorstellung von einem echten männlichen Klimakterium ist ein vielstrapazierter Mythos“, hat die amerikanische Hormonspezialistin Professor Lila E. Nachtigall schon vor nahezu 20 Jahren rigoros verkündet.1 Diese Meinung wird inzwischen immer häufiger geteilt, das PADAM – das Partielle Androgen Defizit des alternden Mannes – gilt als Erfindung der Anti-Aging-Industrie. Padautz.
Bei der Frau sind die Veränderungen im Hormonhaushalt weitestgehend geklärt. Ab einem bestimmten Zeitpunkt erlischt nicht nur die Gebärfähigkeit ganz langsam. Die dahin führenden Vorgänge sind vielschichtig und laufen über viele Jahre ab. Da es hier große zeitliche Unterschiede gibt, sind die Wechseljahre in Zeitzonen eingeteilt.
Den Anfang macht die Prämenopause (von lateinisch prä = vor). Damit ist die Zeit zwischen dem 40. Lebensjahr und dem Beginn unregelmäßiger Menstruationszyklen um das 48. Lebensjahr gemeint. Die Eierstöcke (Ovarien) beginnen weniger Sexualhormone zu bilden, und zwar zunächst weniger Gelbkörperhormon (Progesteron), das „Leithormon“ der zweiten Zyklushälfte. Mit der Folge, dass die zweite Zyklusphase immer wieder mal ausfällt, da kein Eisprung stattfindet. Die Zyklen verkürzen oder verlängern sich, erste Wechselbeschwerden – insbesondere prämenstruelle Beschwerden – können auftreten. All das kann bereits ab Mitte Dreißig einsetzen und Probleme bereiten.
Wenn Eisprung und Blutung völlig aus dem Rhythmus geraten, beginnt Phase zwei, die Perimenopause (vom griechischen peri = um, herum), das Klimakterium oder „Zeit des Transits“: Der Körper bereitet sich auf die Menopause und auf die Zeit danach vor. Sie erleben das so: Die Menses kann mehrere Monate aussetzen oder in kurzen Abständen stattfinden, sie kann kurz oder lang dauern, stark oder schwach sein, mit Schmerzen und Symptomen wie Gereiztheit, Unruhe und Brustspannen einhergehen.
Warum? Jetzt verändert sich das Hormongleichgewicht extrem: Sturzflug der Östrogene, Progesteron gegen Null. Der ganze Verlauf entspricht einer umgekehrten Pubertät: Die Sexualhormone sind dafür zuständig, dass der Körper des Mädchens zu dem einer Frau heranreift und dass sie gebären kann. Jetzt sind sie dafür verantwortlich, dass sich alles wieder ändert: Die Eierstöcke altern und bilden sich zurück.
Diese Zeit schließt die endgültig letzte Menstruation ein, die Menopause, und darüber hinaus die zwölf folgenden Monate. Zu diesem Zeitpunkt sind Frauen zwischen 48 und 52 Jahre alt. Die Medizin weiß heute sehr genau, dass die Begleiterscheinungen stark variieren und von einem beschwerdefreien, eher unmerklichen Übergang bis zu erheblichen Beeinträchtigungen reichen können. Entsprechend haben viele Frauen es gut: Sie haben nach einem regelmäßigen Zyklus eines Tages gar keine Blutung mehr. Das war´s, juchee.
Zwölf Monate nach der Menopause haben Sie sie erreicht: die Zeit jenseits der Fruchtbarkeit. Die Östrogen- und Gestagenwerte sind am Nullpunkt angelangt, sofern es noch geringe Mengen Östrogene gibt, stammen diese jetzt nur noch aus dem Fettgewebe. Mit einer natürlichen Schwangerschaft können Sie nicht mehr rechnen. Allerdings produziert die Nebennierenrinde weiterhin Androgene, sie haben noch etwa 15 Jahre lang eine erhebliche Bedeutung. Die Postmenopause (lateinisch post = nach) geht nach dem 62. Lebensjahr ins Senium über, in das Alter.
Alle typischen Organveränderungen, die in den Abschnitten über die Veränderungen beschrieben werden, betreffen nach und nach jede Frau und sind nur schwer zu trennen vom normalen Prozess des Alterns. Indes: Das Gehirn altert nicht gleichzeitig mit dem Körper. Im Gegenteil. Die geistige Leistungsfähigkeit steigt bei vielen Menschen weiter an. Unter günstigen Umständen bilden die mittleren Lebensjahre und das frühe Alter deshalb die reifste Zeit. C.G. Jung, Professor für Psychologie und Psychiatrie in der Schweiz, legte auf die Entwicklungsmöglichkeiten nach der Lebensmitte das größte Gewicht.
Und die Psychologin Dr. Katrin Wiederkehr-Benz, ebenfalls Schweiz, hat in der Neue Zürcher Zeitung geschrieben: „Die Einsicht, dass es nicht darum gehen kann, den richtigen Menschen zu finden, sondern der richtige Mensch zu werden, stellt sich oft erst um die Lebensmitte langsam ein. Sie mildert die Erwartung an den Partner. Kein Mensch schuldet dem anderen ein sinnvolles Leben. Der Verzicht auf Forderungen öffnet die Seele zur Dankbarkeit für das Gegebene und für das stille Klingen der Atmosphärenmusik, das im Schlachtgetöse untergegangen war.“2
Klahre, A.S.: Wechseljahre, ein Stück von mir. Germa Press, 1994
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1 Nachtigall, L. und Heilman, J.R.: Östrogen. Was heutige sichere
Therapie zu bewirken vermag. Ariston, Genf 1990
2 Wiederkehr-Benz, K.: Fermausgabe Nr. 239, 10/1993
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Zuletzt geändert: 20.10.2008
Die Wechseljahre sind ein fester Bestandteil des Alterungsprozesses. Allerdings nur des weiblichen. Männer kommen auch in die Jahre, aber nicht in die Wechseljahre.
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