Medmonitor_logo_print
Medizin & Gesundheit > Gynäkologie und Geburtshilfe > Wechseljahre > Nutzen-Risiko-Bilanz

Nutzen-Risiko-Bilanz

Diskutieren RegisterDrucken

 


Bild zum Thema Gynäkologie und Geburtshilfe, Wechseljahre, Nutzen-Risiko-Bilanz(photocase.com © B.Ehlers)


Nutzen-Risiko-Bilanz: Gute Gründe

Der Erhalt der Lebensqualität ist ein Kernkriterium für eine HRT und sollte nicht unterschätzt werden.

Die aktuelle Datenlage zeigt: Bei frühzeitiger – in der Peri- oder frühen Postmenopause begonnener –, individualisierter, niedrig dosierter und kontrollierter Behandlung ist davon auszugehen, dass der Nutzen die Risiken überwiegt.

Schluss mit Schwitzen

Die HRT ist die wirksamste Behandlungsform bei den klimakterischen Klassikern Hitzewellen, Schweißausbrüche, Frösteln. Auch andere mit dem Klimakterium verbundene Symptome können gebessert oder gar behoben werden: Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Leistungs- und Gedächtnisminderung, Gelenkschmerzen, Hautalterung, Rückbildungserscheinungen an den Schleimhäuten der Harn- und Geschlechtsorgane mit entsprechenden Beschwerden. Häufig lassen sich auch sexuelle Störungen lindern.

Lebensqualität

Insgesamt ist der Erhalt der Lebensqualität ein bedeutendes Kriterium für eine HRT und sollte nicht unterschätzt werden. Medikamente sind nicht nur dazu da, Leben zu retten und Körperfunktionen zu normalisieren. Auch das Bewahren und Wiederherstellen der Lebensqualität ist stets eines der Ziele. Jene Wissenschaftler, die sich in ihrer Arbeit auf die Frau in den Wechseljahren konzentrieren, schwören in diesem Zusammenhang auf die Kraft der Hormone. Klar dürfte allerdings auch sein, dass es keiner Frau erspart bleibt, sich dennoch intensiv mit ihren Veränderungen auseinander zu setzen.

  • Was bedeutet Lebensqualität für Sie?

Was wollen Sie tun, um

  • körperlich und mental gesund zu bleiben,
  • schöpferische Kraft zu entfalten,
  • Ihren Phantasien und Träumen den Platz zu geben, den sie brauchen, damit sie Gestalt annehmen?

Zusatznutzen

Knochenschutz

"Auch wenn an der WHI viel Kritik geübt worden ist ... sie war die  erste Studie, die eindeutig bewiesen hat, dass sich eine Östrogen- bzw. Östrogen-/Gestagentherapie günstig auf den Knochen auswirkt und der Entwicklung einer Osteoporose vorbeugen kann", schreiben die Hamburger Endokrinologinnen Dr. Katrin Schaudig und Dr. Anneliese Schwenkhagen in ihrem Buch Kompass Wechseljahre.1

Die WHO hat für die Osteoporose eine Klassifizierung eingeführt, die auf röntgenologischen Messungen per DXA (Dual X-ray Absorpriometry) an der Lendenwirbelsäule, der Oberschenkelknochen, der Unterarme, der Fersenbeine sowie des Gesamtskeletts basieren: Es werden die DXA-Werte einer Patientin in den Wechseljahren mit Werten bei jungen Erwachsenen verglichen. Liegt die sogenannte Standardabweichung bei der Knochendichte zwischen 1 und 2,5 unter den Werten junger Erwachsener, spricht man von einer Osteopenie, dem Vorstadium der Osteoporose. Bei einer Knochendichte unterhalb von 2,5 Standardabweichungen lautet die Definition Osteoporose.2 Die Gefahr, dass innerhalb der nächsten Jahre Knochen brechen, ist hoch.

Nach der Menopause nimmt die Knochenmasse zunächst um zwei Prozent pro Jahr ab, später um ein Prozent. In manchen Fällen kann der Knochenmasseverlust bis zu zehn Prozent pro Jahr betragen. Östrogene mindern den Verlust auf 0,5 Prozent jährlich. Aber: Nach Beendigung der Therapie schwindet der Schutz vor Knochenbrüchen. Dabei soll er doch gerade den älteren Frauen zugute kommen. In diesem Zusammenhang wird Sie ein erfahrener Arzt über geeignete Alternativen informieren (z.B. SERMs). Ob auch das oft gepriesene Vitamin D in Medikamentenform Wirbel- und Oberschenkelhalsbrüche verhindern kann, ist umstritten und hängt wahrscheinlich von der Dosis ab, wie eine amerikanische Übersichtsanalyse von 76 Studien und 24 Metaanalysen zeigt.3

Wer sich „knochengesund“ fühlt und kein weiteres Risiko für eine Osteoporose, aber eine erniedrigte Knochendichte (Osteopenie) hat, sollte sich ausreichend mit Kalzium (1000 mg/Tag bis 50 Jahre, 1500 mg/Tag über 50 Jahre) und Vitamin D (Lebertran, natürliches UV-Licht) versorgen und sich bei Tageslicht bewegen.

Darmkrebsschutz

Mehrere Studien weisen auf eine Verringerung des Risikos für Darmkrebs hin. Ob die Schutzwirkung nach Absetzen der Therapie schwindet, ist offen.

Herz-Kreislaufschutz

Bei frühem Behandlungsbeginn in der Peri- und frühen Postmenopause und bei gesundem Herz-Kreislauf- bzw. Gefäßsystem ist eine Verringerung des Risikos für Herzinfarkte nachgewiesen.

Möglicher Zusatznutzen

Die Datenlage hinsichtlich einer Prävention für Demenzen (M. Alzheimer, Vaskuläre Demenz) ist immer noch unklar.

Mögliche Nebenwirkungen

Die Gefahr für Schlaganfälle wird bei Risikopatientinnen (z.B. mit Hochdruck) durch die HRT erhöht.

Auch das Risiko für Venenthrombosen steigt an, insbesondere bei Frauen mit genetischer Vorbelastung.

Es treten häufiger Gallenblasen- und Gallenwegserkrankungen auf.

Unter einer Langzeittherapie ist ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs nicht auszuschließen, bei Kombination mit Gestagenen ist für eine Behandlung von mehr als fünf Jahren ein gering erhöhtes Risiko nachgewiesen. Eine reine Östrogentherapie erhöht das Risiko nicht.

 

Quellen:

Anwendungsempfehlungen zur Hormonersatztherapie im Klimakterium und in der Postmenopause. Stand: September 2006:
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe;
Berufsverband der Frauenärzte;
Deutsche Menopause Gesellschaft;
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und –medizin;
Deutsche Gesellschaft für Senologie

Klahre, AS: Wechseljahre – ein Stück von mir. Germa Press, 1994

 

____________________

1 Schwenkhagen A, Schaudig K: Kompass Wechseljahre,
   Orientierungshilfen und Strategien bei Beschwerden. Knaur 2007

2 Ebda.

3 MEDICA.de: Osteoporose: Was hilft wirklich? 17.03.2008.
   Quelle: Annals of Internal Medicine Vol. 148, S. 197-213

 

Zurück zu "Wechseljahre" | Nach oben


Zuletzt geändert: 20.10.2008

Top 5 - meistgelesene Artikel

Zeitzonen

Die Wechseljahre sind ein fester Bestandteil des Alterungsprozesses. Allerdings nur des weiblichen. Männer kommen auch in die Jahre, aber nicht in die Wechseljahre.

Mehr

Nutzen-Risiko-Bilanz

Der Erhalt der Lebensqualität ist ein wichtiges Kriterium für eine Hormontherapie und sollte nicht unterschätzt werden.

Mehr