
Krebsproblematik
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(photocase.com © CrazyCat)
Ein gesunder Lebensstil und Früherkennung sind die Basis für ein Leben ohne Krebs. Frauen entwickeln am häufigsten ein Karzinom in der Brust, im Darm und in der Lunge.
Was sich an menschlichem Leid hinter der Diagnose Krebs verbirgt, wissen nur die, die den Schock erlebt haben und mit der Krankheit umgehen müssen. Der Appell kann daher einmal mehr nur lauten:
Tun Sie alles Mögliche dafür, einer Krebserkrankung vorzubeugen!
Wenn auch eine genetische Komponente nicht ausgeschlossen werden kann, so sind sich die Krebsforscher auf der ganzen Welt darin einig, dass rund 90 Prozent der mittlerweile über dreihundert bekannten Tumorarten umweltbedingt sind und durch eben diese Maßnahmen verhindert werden könnten. Prävention und Früherkennung sind demnach die wichtigste Basis für ein Leben ohne Krebs. Und der Ernährung kommt eine besondere Bedeutung zu.
„Ihr Einfluss wird durch eine Reihe von aussagekräftigen Studien gestützt, dadurch bietet sie ein einfaches und preiswertes Mittel zur Prävention, welches jedermann zur Verfügung steht“, schreibt Professor Ibrahim Elmadfa, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) im Geleitwort des 2. Reports Ernährung, körperliche Aktivität und Krebsprävention: Eine globale Perspektive1, der Ende 2007 von der internationalen Krebsforschungsorganisation World Cancer Research Fund (WCRF) veröffentlicht worden ist.
Dennoch nehmen Krebserkrankungen in allen europäischen Ländern zu. In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert Koch Instituts jedes Jahr etwa 420.000 Menschen neu, 210.000 sterben an den Folgen. Damit sind Krebs- nach den Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache an nichtinfektiösen Krankheiten in Deutschland.
Krebs ist keine einheitliche Krankheit. Mehr als 100 bösartige (maligne) Entartungsformen von Zellen können zu sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern führen. Allen gemeinsam ist jedoch eine Fehlregulation der Zellteilung. Aus unterschiedlichen Gründen werden die zellinternen Kontrollmechanismen von Teilung, Differenzierung und Abbau einzelner Zellen wirkungslos. Auslöser für diese Störung können
sein. Krebs entsteht durch genetische Veränderungen (Mutationen) in einer einzigen Zelle meist Jahrzehnte vor der Entdeckung eines ausgewachsenen Tumors. Durch diese Mutationen verpuffen wachstumshemmende Signale, die überschießende Zellteilung ist nicht mehr zu stoppen. Unkontrolliert wachsende Zellen werden erst dann bösartig, wenn sie in das umgebende gesunde Gewebe eindringen; sie zerstören es und lösen sich aus dem Zellverband, um an anderen Stellen im Körper Tochtergeschwülste (Metastasen) zu bilden.
Für die meisten Krebsarten gilt: Je früher der Tumor erkannt wird, umso größer sind die Heilungschancen. Etwa die Hälfte der Patienten kann heute geheilt werden. Die Heilungschancen sind jedoch unterschiedlich. Gut bis sehr gut sind sie bei Erkrankungen der Haut, der Brust, des Darms, des Gebärmutterhalses (und der Prostata). Die Früherkennungsuntersuchungen gehören daher zu den Standardleistungen der GKVen. Trotzdem nutzt lediglich jede zweite Frau (und jeder sechste Mann) in Deutschland diese kostenlosen Untersuchungen.
Somit bleiben Krebserkrankungen trotz ständig neuer Erkenntnisse, neuer Medikamente und der Früherkennungsprogramme eine große Herausforderung für die Medizin.
Anlass für Diskussionen liefert immer wieder auch die Hormonersatztherapie (HET), auch Hormontherapie (HT) oder Hormon Replacement Therapy (HRT) genannt – vor allem in Bezug auf Brustkrebs.

(photocase.com © Gestaltbar)
Auf der Liste der krebsbedingten Todesursachen in Deutschland rangiert das Mammakarzinom bei Frauen an erster Stelle: Jedes Jahr sterben etwa 17.000 Frauen daran. Über 55.000 Frauen erkranken jedes Jahr neu. Immer häufiger sind auch jüngere Frauen betroffen, 20 Prozent sind unter Fünfzig. Von der Entartung einer Körperzelle bis zur Ausbildung eins bösartigen Tumors vergehen in aller Regel Jahre: Ein Brustkrebs von 1 Millimeter im Durchmesser ist zwischen sechs und sieben Jahre alt, einer von 1 Zentimeter um die zehn Jahre. Bis zu einer Größe von 2,5 Zentimetern vergehen mindestens elf Jahre.2
Für die Frage aller Fragen „Wodurch entsteht Brustkrebs?“ gilt nach wie vor: Eine einzige Ursache gibt es nicht. Denn die Einwirkungen auf die Brustdrüse sind vielfältig, besonders die hormonalen. Die Brust wird nicht nur durch Östrogene und Progesteron reguliert, sondern auch durch Prolaktin, das für die Milchbildung in der Stillzeit zuständig ist. Hinzu kommen weitere Faktoren, sodass sich ein sehr individuelles Risiko ergibt:
Alter: Ein wesentlicher Faktor ist das Alter der Frau selbst. Das Durchschnittsalter bei der Diagnose liegt zurzeit bei 62 bis 63 Jahren.
Familiäre Vorbelastungen: Die wichtigsten Gene im Zusammenhang mit Brustkrebs sind die Breast Cancer Gene 1 und 2, abgekürzt BRCA1 und BRCA2. Bei fünf bis zehn Prozent der Frauen sind BRCA 1 oder BRCA 2 verändert, was an die Nachkommen vererbt werden kann. Wenn Zellen aufgrund der Veränderung unkontrolliert wachsen, kann Krebs entstehen. Liegt eine Mutation des BRCA-1-Gens vor, dann ist gleichzeitig das Risiko für Eierstockkrebs (siehe unten) erhöht.
Zwei weitere Genvarianten, beide im Gen AKAP9 gelegen, stehen ebenfalls mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko in Verbindung. Frauen, die die zwei Varianten aufweisen, haben ein um 17 Prozent erhöhtes Risiko. Bei Frauen aus Brustkrebsfamilien ist dieser Effekt noch deutlicher, ihr Risiko ist um 27 Prozent gesteigert. Ist nur eine Variante betroffen, so ist das Brustkrebsrisiko nur leicht erhöht: um etwa acht Prozent beziehungsweise zwölf Prozent bei Frauen aus Brustkrebsfamilien.3
Zahl und Zeitpunkt der Geburten: Keine Schwangerschaft oder die erste nach 32.
Menstruationszyklen: Eine frühe erste Menstruation (vor dem 11. Lebensjahr) oder eine späte Menopause (nach dem 54. Lebensjahr).
Lebensstil: Eine fett- und kalorienreiche Ernährung mit der Folge Übergewicht; regelmäßig erhöhter Alkoholkonsum; Rauchen; Bewegungsmangel.
Umweltfaktoren: Ionisierende Strahlung (z.B. Röntgenstrahlung, radioaktive Strahlung) kann generell zu Krebserkrankungen strahlungs-
empfindlicher Gewebe führen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Strahlungsempfindlichkeit der Brust ab.
Die meisten internationalen Studien zeigen, dass niedrige Östrogenmengen, die bis zu zehn Jahren gegeben werden, die Entstehung eines Brustkrebses nicht oder nur geringfügig erhöhen. Erst wenn eine Behandlung länger durchgeführt wird, kann es einen Anstieg der Brustkrebsrate geben – vor allem, wenn lebensstilbedingte Risikofaktoren hinzukommen.
Die Kombination mit einem Gestagen kann ein möglicherweise Östrogenbedingtes, relatives Brustkrebsrisiko weiter verstärken. Eine klare Aussage ist schwierig, da die potenziellen Wirkungen von Gestagenen in der Krebsentstehung insgesamt noch sehr unklar sind. Hinzu kommt, dass Frauen, die Hormonpräparate einnehmen, unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle stehen. Das bedeutet auch, dass sie konsequenter am Mammographie-Screening teilnehmen. Erkrankungen werden dadurch früher entdeckt – dies kann die Prognose günstig beeinflussen.
Platz zwei auf der Rangliste der häufigsten Krebsarten bei Frauen. Die meisten Frauen (und Männer) erkranken zwischen Sechzig und Siebzig, 70 Prozent der Erkrankungen werden zwischen dem 50. und 80. Lebensjahr festgestellt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Bisher veröffentlichte Daten sprechen dafür, dass Frauen seltener an kolorektalen Karzinomen erkranken, wenn sie sich für eine Hormontherapie entscheiden: Eine Analyse der Ergebnisse von rund 20 Beobachtungsstudien hat für die Östrogentherapie mit oder ohne Gestagenzusatz eine etwa 30prozentige Reduktion des Risikos ergeben.4
Platz vier mit jährlich etwa 11.300 Neuerkrankungen. Betroffen sind meist Frauen in der Postmenopause zwischen 75 und 80. Wesentliche Risiken sind Adipositas, Diabetes mellitus (Typ 2), Kinderlosigkeit und eine hohe Östrogeneinwirkung. Etwa 65 bis 80 Prozent aller Endometriumkarzinome entstehen auf dem Boden eines hormonellen Ungleichgewichts: zu viele Östrogene, zu wenig Gestagene. Das passiert, wenn die Ovarien kein Progesteron mehr produzieren, aber immer noch Östrogene.
Daher werden bei einer Hormontherapie normalerweise stets beide Hormone gegeben. Seit 1993 ist die Östrogen-Gestagen-Kombination für Deutschland sogar Vorschrift. Etwa 50 bis 80 Prozent der Endometriumkarzinome entwickeln sich abhängig von der Wirksamkeit des verwendeten Gestagens und der Einnahmedauer dann nicht.5 Nur Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde, erhalten Östrogene pur.
Unabhängig von einer Hormontherapie gelten als schützende Faktoren:
Am hinteren Ende der Vagina ragt zapfenförmig der Muttermund hervor. Er ist der Eingang zum Gebärmutterhals (Zervix), jenem unteren Teil der Gebärmutter, dessen Schleim eine wichtige Barriere bei der Abwehr von Krankheitserregern darstellt. Leider klappt das nicht immer: Humane Papillomaviren (HPV) können zu bösartigen Veränderungen führen, der Gebärmutterhalskrebs ist in Europa die zweithäufigste Krebstodesursache bei Frauen unter 45 Jahren, jährlich sterben etwa 15.000 daran. Ein zweiter Gipfel der Erkrankungszahlen und fortgeschrittenere Erkrankungsstadien finden sich bei Patientinnen ab dem 60. Lebensjahr. Für Deutschland registriert man in allen genannten Altersgruppen zurzeit etwa 7.000 Neuerkrankungen und 2.000 Todesfälle pro Jahr.
Eine Infektion mit HPV hängt direkt mit dem Sexualleben zusammen. Lesen Sie das Wichtigste hierzu beim Gebärmutterhalskrebs und im Experten-
interview.
Durch eine Hormontherapie wird die Häufigkeit dieser Tumorart bei Frauen in der Peri- und Postmenopause weder erhöht noch gesenkt.
Platz sieben auf der Rangliste der häufigsten Krebsarten,6 bei den häufigsten bösartigen und tödlich verlaufenden Erkrankungen des weiblichen Genitales hingegen ist er führend: Die Diagnose Eierstockkrebs umfasst eine Vielzahl von Tumoren und wird in Deutschland pro Jahr bei etwa 8000 Frauen gestellt. Die meisten sind zwischen 50 und 60 Jahre alt, womit auch schon der erste Risikofaktor genannt ist. Denn die Gefahr steigt mit zunehmendem Alter. Weitere Risiken sind
Daten aus Beobachtungsstudien haben unterschiedlich Ergebnisse hervorgebracht. Einige Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für Frauen, die länger als zehn Jahre eine HRT erhalten haben, andere Studien zeigen das nicht.
Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V.
Berufsverband der Frauenärzte e.V.
Bundesministerium für Bildung und Forschung: Forschen gegen den Krebs. BMBF Presse, April 2002
Deutsche Krebshilfe, 28. Deutscher Krebskongress, Februar 2008
Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Frauenärzte im Netz: Brustkrebs. Risikofaktoren und Vorbeugung. 29.02.2008
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1 World Cancer Research Fund /American Institute for Cancer
Research. Food, Nutrition, Physical Activity, and the Prevention
of Cancer: a Global Perspective. Washington, DC: AICR, 2007
2 Birkhäuser, M: Mammakarzinom: Entstehung und
Differenzierung, 2003
3 Deutsches Krebsforschungszentrum DKFZ: Genvariante steigert
Brustkrebsrisiko. Pressemitteilung, idw 12.03.2008
4 Mueck, A.O.: Weiter positive Ergebnisse der WHI – Unter
Estrogenen allein eher Reduktion des Risikos für Brustkrebs und
Herzinfarkte! Gyne 04/2004.
5 Krebs-Bilanz unter Anwendung von Östrogen-Gestagen-
Kombinationen ab der Menopause. Gyne
6 Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) e.V.,
21.11.2007
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Zuletzt geändert: 20.10.2008
Die Wechseljahre sind ein fester Bestandteil des Alterungsprozesses. Allerdings nur des weiblichen. Männer kommen auch in die Jahre, aber nicht in die Wechseljahre.
MehrDer Erhalt der Lebensqualität ist ein wichtiges Kriterium für eine Hormontherapie und sollte nicht unterschätzt werden.