Medmonitor_logo_print
Medizin & Gesundheit > Gynäkologie und Geburtshilfe > Wechseljahre > Krebs und Hormone aktuell

Krebs und Hormone aktuell

Diskutieren RegisterDrucken

 


Bild zum Thema Gynäkologie und Geburtshilfe, Wechseljahre, Krebs und Hormone aktuell

(photocase.com © mandalla)

Krebs und Hormone aktuell: Zurück zur Sachlichkeit

Die Aufregung hat sich gelegt. „Der sog. Estrogen-Krieg ist vorbei … Die WHI-Ergebnisse sind nach wie vor dieselben wie bei Abschluss der Studien, sie wurden endlich aber von hormonkundigen Fachleuten in der richtigen Weise gewertet.“

Das schreibt der Essener Gynäkologe Dr. Uwe-Ernst Feldmann im Fachmagazin gyne 01/2008. Soll heißen: Diverse Neuinterpretationen und Subanalysen der WHI, Stellungnahmen der internationalen Fachgesellschaften, weitere Fallkontroll- und Beoabachtungsstudien später ist der gegenwärtige Stand zum Thema:

Brustkrebs: Risiko gering erhöht

Das Brustkrebsrisiko ist nach kombinierter Östrogen/Gestagen-Therapie gering erhöht, jedoch nach alleiniger Östrogenbehandlung nach Ergebnissen der Women´s Health Initiative (WHI) nicht.1 Es sieht ganz danach aus, dass eine kombinierte HRT das Wachstum bereits vorhandener Mammakarzinome stimuliert.

Bei Frauen in der Postmenopause, die etwa fünf Jahre eine Östrogen-
Gestagen-Kombination erhalten hatten, ist in den ersten zwei bis drei Jahren nach Absetzen etwas häufiger ein Mammakarzinom diagnostiziert worden (79 Erkrankungen) als bei Frauen aus der Placebo-Gruppe (60 Erkrankungen). Der Unterschied war statistisch aber nicht signifikant.2

Dickdarmkrebs: Risiko deutlich niedriger

2004 hat eine Subanalyse der WHI – der sogenannte Estrogen-Gestagen-
Arm (WHIc) – gezeigt, dass das Risiko für kolorektale Karzinome durch eine HRT um 44 Prozent gesenkt wird.3 Die neueste Frage, die sich seit den im März 2008 veröffentlichten neuen Daten4 stellt, lautet: Lässt nach Absetzen der HRT der Schutz vor Darmkrebs nach? Eine Analyse der Analyse ist angekündigt.

Selbst wenn es so sein sollte, so ist doch mit einem bewussten Lebensstil eine unschlagbare Art der Prävention gegeben. Das geht einmal mehr aus dem Ende 2007 veröffentlichten 2. Report der internationalen Krebsforschungsorganisation World Cancer Research Fund (WCRF) hervor. Experten haben die Forschungsergebnisse aus über 7.000 Studien zusammengetragen. Je nach Aussagekraft der Ergebnisse wurden diese in sieben Kategorien unterteilt, von „überzeugend verringertes Risiko“ über „begrenzt – vermutlich verringertes oder erhöhtes Risiko“ bis „überzeugend erhöhtes Risiko“. Danach ist es so:

Der einzige Lebensstilfaktor, der das Darmkrebsrisiko „überzeugend verringert“, ist körperliche Bewegung.

 

Bild zum Thema Gynäkologie und Geburtshilfe, Wechseljahre, Krebs und Hormone aktuell, Grill

(photocase.com © boing)

 

„Überzeugend erhöht“ ist das Risiko bei Übergewicht. Das gilt auch für den häufigen Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch, wobei sich der Begriff "rotes Fleisch" auf das von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen bezieht. "Verarbeitetes Fleisch" umfasst Fleisch, das durch Räuchern, Beizen, Pökeln oder Salzen haltbar gemacht wurde. Als mögliche Ursache sehen die Autoren unter anderem die Bildung von krebserregenden Stoffen bei starker Erhitzung an.

 

___________________ 

1 Empfehlungen zur Hormontherapie aktualisiert und bestätigt:
   DGGG, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
   e.V., Pressemitteilung, Stand: März 2008

2 Heiss G et al: Health Risks and Benefits 3 Years After Stopping
   Randomized Treatment With Estrogen and Progestin. JAMA
   2008;299(9):1036-1045

3 Chlebowski et al: Estrogen plus Progestin and Colorectal Cancer
   in Postmenopausal Women, NEJM 2004;350:991-1004

4 International Menopause Society: HRT and the Menopause:
   Time for Re-Evaluation, Zürich, 09.10.2007

 

Zurück zu "Wechseljahre" | Nach oben


Zuletzt geändert: 20.10.2008

Top 5 - meistgelesene Artikel

Zeitzonen

Die Wechseljahre sind ein fester Bestandteil des Alterungsprozesses. Allerdings nur des weiblichen. Männer kommen auch in die Jahre, aber nicht in die Wechseljahre.

Mehr

Nutzen-Risiko-Bilanz

Der Erhalt der Lebensqualität ist ein wichtiges Kriterium für eine Hormontherapie und sollte nicht unterschätzt werden.

Mehr