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Hormonsystem

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Bild zum Thema Gynäkologie und Geburtshilfe, Wechseljahre, Hormonsystem

(photocase.com © gordon bussiek)

Hormonsystem: Östrogene und Co.

Ob sie will oder nicht: In ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit, aber auch in ihrem Wesen und Schicksal wird die Frau von den Sexualhormonen geprägt. Dies gilt sowohl für die „aktive Zeit“ der hormonproduzierenden Organe, als auch für die Zeit der Funktionsruhe nach der Menopause.

Dann jedoch in eher negativem Sinne. Denn die Eierstöcke (Ovarien, Ovar) auf beiden Seiten der Gebärmutter sind die einzigen hormonbildenden Drüsen, die ihre Arbeit lange vor dem Lebensende der Frau einstellen. Wer sich vergegenwärtigt, was sie in der aktiven Zeit bewirken, versteht die weitreichenden Folgen, wenn diese Organe in den Wechseljahren ihre Hormonproduktion einstellen und sich langsam zurückbilden.

Die Ovarien sind die wichtigsten Produktionsorte für die Sexualhormone – für die Östrogene, Gestagene und Androgene. Keinesfalls aber sind sie ausschließlich für die Fortpflanzung und damit für das Fortbestehen der Menschheit von zentraler Bedeutung, sondern sie greifen in vielfacher Weise in alle Stoffwechsel- und Regulationssysteme des Körpers ein. Die vielfältigen Wirkungen des Östradiol und Progesteron konnten in mehr als eintausend vielfältigen Untersuchungen an Tier und Mensch nicht nur nachgewiesen, sondern zum größten Teil auch bis auf die Ebene der Moleküle begründet werden.1

Östrogene: Leithormone der ersten Zyklushälfte

Am bedeutsamsten sind jene, die unter dem Oberbegriff Östrogene (Estrogene) zusammengefasst werden. Dazu zählen das biologisch wirksamste Östradiol (Estradiol) – das „Leithormon“ der ersten Zyklushälfte – und die zwei schwächer wirksamen Hormone Östron (Estron) und Östriol (Estriol). Östrogene werden in den Follikeln der Ovarien gebildet, außerdem werden die Androgene (siehe unten) im Fettgewebe in Östrogene umgewandelt.

Östrogene sind für Sexualität, Schwangerschaft und die Funktionen der Genitalorgane gleichermaßen verantwortlich; sie regulieren den monatlichen Zyklus, die Entwicklung der Geschlechtszellen, die Befruchtung der Eizelle, das Wachstum des Embryos, den Verlauf der Schwangerschaft und die Geburt. Mehr noch, Östrogene

  • beeinflussen die Blutfette und den Blutdruck;
  • erweitern die Gefäße, hemmen ihre Verkalkung und schützen somit das gesamte Herz-Kreislaufsystem;
  • greifen direkt ins Immunsystem ein;
  • stimulieren die Produktion anderer Hormone;
  • beeinflussen die Knochenbildung und das Körpergewicht, den Magen-Darm- und Harntrakt, die Haut und Schleimhäute, das Binde- und Stützgewebe, die Haare, alle Anhangsorgane, das Zellwachs-
    tum, das subjektive Befinden und selbstverständlich die Brust;
  • fördern die Auflockerung des Körpergewebes durch Wassereinlagerungen und
  • beeinflussen nicht zuletzt verschiedene Hirnleistungen wie Konzentration, Kurzzeitgedächtnis und psychomotorische Geschicklichkeit.

Progesteron: Gegenspieler und Ergänzung

Das dominante Hormon der zweiten Zyklushälfte ist Progesteron, das Gelbkörperhormon. Mit vielen anderen, synthetisch hergestellten Hormonen, die wie Progesteron wirken, bildet es die Gruppe der Gestagene. Progesteron ist sowohl Gegenspieler als auch Ergänzung der Östrogene und hat jenseits seiner Aufgaben als Fortpflanzungshormon jede Menge zu tun. Progesteron

  • verhindert, dass sich gutartige Knoten in der Brust (Mastopathie) entwickeln;
  • schwemmt die Flüssigkeit aus, die sich vor der Menstruation in den verschiedenen Geweben sammelt. Geschieht das nicht, haben Sie das Gefühl, aus den Nähten zu platzen;
  • zieht die Blutgefäße zusammen und wirkt auf das Wärmezentrum;
  • hemmt indirekt die Darmtätigkeit und kann so – beim Zusammentreffen mehrerer Faktoren – auch zu Verdauungsstörungen beitragen;
  • steigert durch eine direkte Leitung zum Gehirn die Leistungsfähigkeit und regt das Gehirn zur Bildung von Substanzen an, die ähnlich wie Morphium wirken und Endorphine heißen. Die Ausschüttung vieler verschiedener Endorphine beruhigt, dämpft Schmerz, hebt die Stimmung und sorgt so für seelische Stabilität. Nicht zuletzt bremsen Endorphine auch die Funktion der Ovarien, was unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. extreme psychische Belastungen, Hochleistungssport, Diäten) den Zyklus empfindlich stören kann.

Androgene: Der Kerl in mir

Frauen tragen auch eine kleine Menge männlicher Hormone in sich: Androgene werden in den Eierstöcken und in der Nebennierenrinde gebildet und gelangen von dort in den Blutkreislauf. Gemeinsam mit dem wirkungsvollsten Männerhormon, dem Testosteron, bilden das Androstendion, Dehydroepiandrosteron (DHEA) und 17-Hydroxy-
progesteron die Gruppe der mehr oder minder „glorreichen Vier“.

Denn wie die weiblichen Hormone auch dienen sie nicht allein dem Aufbau und Schutz, sondern können auch unerwünschte Spuren hinterlassen. Sichtbare Spuren, die einen Frauenkörper schlimmstenfalls mit typisch männlichen Merkmalen verunglimpfen.

Das Gute zuerst: Androgene helfen den Östrogenen, Haut und Knochen aufzubauen und zu schützen. Auch als sexuelle Lustmacher sind sie nicht zu unterschätzen und die Psyche profitiert ebenfalls von ihrer Präsenz. In einem normalen Zyklus zirkulieren sie in relativ stabilen kleinen Mengen. Bis zum Tag des Eisprungs, dann steigt der Spiegel um das etwa Zehnfache.

Wenn mit den Wechseljahren die eigengeschlechtlichen Hormone weniger werden, fallen die Androgene stärker ins Gewicht. Zwar nicht mengenmäßig, aber in ihrer Wirkung. Unter dem Begriff Virilisierung werden Merkmale des relativen Androgenüberschusses zusammengefasst:

  • Achsel- und Schamhaar, gelegentlich auch das Kopfhaar, werden dünner;
  • die Stimme wird tiefer;
  • „spätpubertäre“ Hautunreinheiten und Pickel nerven;
  • der Körper nimmt an Umfang zu, speziell am Bauch.

Schaltzentrale im Gehirn

Angeregt und gesteuert werden all diese Vorgänge durch einen Regelkreis, der seine Schaltzentrale im Gehirn hat. Mit der ersten Schaltstation, dem Zwischenhirn (Hypothalamus) direkt verbunden ist die zweite Schaltstation, die Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Beide wachen über alle hormonproduzierenden Drüsen und Organe, über die Nebenniere, die Schild- und Bauchspeicheldrüse ebenso wie über die Ovarien. Über diese ganz besonders. Alle drei, Zwischenhirn-Hirnanhangdrüse-Ovarien, sind eine untrennbare Einheit und als hormoneller Regelkreis zuständig für die Bildung der weiblichen Sexualhormone und dafür, dass der Menstruationszyklus regelmäßig funktioniert.

Hormone sind Botenstoffe, sie werden an einem Ort produziert und setzen an einem anderen Prozesse in Gang. „Antreiben“ oder „anzeigen“ heißt denn auch die Übersetzung des griechischen Wortes hormao.

Eizellen: Vorrat verbraucht

Doch warum sich dieser Ablauf langsam aber sicher verändert, während Sie auf die Menopause zusteuern, und warum die Ovarien ab einem bestimmten Zeitpunkt so gut wie keine Östrogene und Gestagene mehr herstellen, weiß niemand. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der beim neugeborenen Mädchen angelegte Vorrat von etwa einer halben Million Eizellen fast erschöpft ist. Nur Keimzellen, Krebszellen und Stammzellen besitzen die Fähigkeit, sich praktisch unbegrenzt zu vermehren.

Außerdem hat die Lebensspanne eine genetische Komponente, die mit den äußeren Lebensbedingungen den Alterungsprozess formt. Die Lebensdauer des Ovars ist jedoch ausschließlich genetisch festgelegt. Mit der Folge, dass sich früher als bei anderen Organen die Gefäße des Ovars verändern und dass es sich zurückbildet, wenn Sie die Fünfzig überschritten haben. Der evolutionsbiologische Sinn mag darin liegen, dass der natürliche Alterungsprozess und das Gebären ohne Risiko einander ausschließen.

 

Quelle:

Klahre, A.S.: Wechseljahre, ein Stück von mir. Germa Press, 1994

 

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1 Feldmann, H.U. Peri- und postmenopausale Hormunsubstitution: Was ist Sache?! Gyne 1/2003, S. 1

 

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Zuletzt geändert: 20.10.2008

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