
Gynäkologie und Geburtshilfe
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(photocase.com © Jonathan Willmann)
Die Gynäkologie beschäftigt sich mit den Geschlechtsorganen der Frau, mit dem Erkennen, Verhüten und Behandeln, mit der Vor- und Nachsorge von geschlechts-
typischen Gesundheitsstörungen. Das heißt aber nichts anderes, als dass sie sich mit dem gesamten Leben der Frau befasst: mit ihrem Erwachsenwerden, ihrer Fruchtbarkeit, ihrer Reife und ihrem Altern. Hieraus ergeben sich außerordentliche, sich ständig wandelnde Herausforderungen, Vernetzungen und Spezialisierungen.
Das Spektrum der Fragestellungen und Themen bei der Betreuung von Frauen mit ihren unterschiedlichen Problemen und Krankheitsbildern ist so faszinierend wie vielseitig. Und der Einfluss ständig neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse auf die Entwicklung moderner Strategien für die Diagnostik und Therapie hat in den vergangenen Jahren auch die Frauenheilkunde massiv verändert.
Nicht von ungefähr kommt man in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe ohne benachbarte Fachdisziplinen nicht aus: Die Sexual- und Fortpflanzungsmedizin ist ebenso eine Säule wie die Tumor- und Hormonspezifische Medizin (Onkologie und Endokrinologie) und die ästhetisch-plastische Chirurgie. Geburtshilfe umfasst die Zeiten vor der, um die und nach der Geburt (Pränatal-, Perinatalmedizin und Neonatologie). Dass auch die psychosomatische Medizin inzwischen eine Rolle spielt, zeigt die Tatsache, dass es auf dem wichtigsten deutschen Fachkongress, dem 57. Kongress für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, der im September 2008 in Hamburg stattfinden wird, erstmals eine Hauptsitzung Psychosomatische Frauenheilkunde geben wird.
„Die Psychosomatische Frauenheilkunde möchte über den sogenannten Tellerrand hinausblicken und die Gynäkologie auch in ihren psychologischen Schwierigkeiten und Herausforderungen beleuchten“, beschreibt Dr. Friederike Siedentopf, Oberärztin des Brustzentrums der DRK-Frauenklinik Berlin Westend, das Anliegen der Gesellschaft.1
In diesem Sinne spannend ist zum Beispiel der Aspekt, dass Medizin (für Frauen) zu einem Markt geworden ist, in dem immer mehr Eingriffe keinerlei medizinische Rechtfertigung mehr haben. Schönheitsoperationen wie Brustvergrößerungen und -verkleinerungen, Fettabsaugen und Schamlippenkorrekturen sind Beispiele, an die wir uns gewöhnt zu haben scheinen. Die Geburten von Kindern bei Frauen nach den Wechseljahren werden nur noch wahrgenommen, wenn ein neuer Altersrekord gebrochen wird. Mit dem „Kaiserschnitt auf Wunsch“ werben Geburtskliniken mittlerweile in der Tagespresse.
Rein ökonomisch gesehen gibt es kaum Einwände, da es immer auch ums Geldverdienen geht. Ethisch gesehen ist zu hoffen, dass sich eine Patientin nach adäquater Aufklärung selbst für oder gegen eine Operation entscheiden kann, auch wenn diese medizinisch nicht notwendig ist.
„Psychosomatisch gesehen wird es schwieriger. Eine Schönheitsoperation kann den Versuch eines Auswegs aus einer Körperbildstörung oder einer depressiven Krise darstellen, wobei von der körperlichen Operation eine Heilung einer seelischen Wunde erwartet wird. Auch die Erfüllung des Kinderwunsches bei einer Frau nach den Wechseljahren durchbricht eine natürliche Schranke. Die psychische Frage ist aber, was die treibende Kraft dieser Frau ist“, gibt Professor Heribert Kentenich, Chefarzt der Frauenklinik der DRK Kliniken Berlin Westend, zu bedenken.2
Auch der „Kaiserschnitt auf Wunsch“ sei psychosomatisch sehr zu hinterfragen, so Kentenich. „Eigentlich müsste eine psychologische Begleitung oder Psychotherapie für diese Frauen anstehen. Die aktuelle Medizin nimmt aber den Ausweg des Kaiserschnittes auf Wunsch an, weil dieser aufgrund seiner Planbarkeit für alle leicht zu gewährleisten ist.“
Eine Wunschmedizin hat immer Pro und Contra – die Überlegungen sollten im Interesse der Patientin stets genau abgewogen werden. Im Rahmen der häufigsten von Ihnen nachgefragten Themen stellt Medmonitor aktuelle Konzepte in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe praxisnah vor.
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1 37. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe DGPFG e.V., 20. Bis 23. Februar 2008, Presseinformation
2 Ebda.
Zuletzt geändert: 20.10.2008
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